Artwork of Tomorrow Today # 4

Botschaften an die Zukunft: Woran wird man sich künftig erinnern? Wer trifft die Entscheidungen über Form und Inhalt dessen, was der Überlieferung wert ist? Über Fragen wie diese lässt sich anhand Christian Mayers Serie „Putting in time“ gut nachdenken. In der Gruppenausstellung „Days of Future Just Past“ in der Galerie Charim spürt der Künstler dem Phänomen Zeitkapsel nach.
 Christian Mayer,  Putting in time (12/25/88),  2015. Originales Pressefoto aus Zeitungsarchiv, UV Druck auf Passepartout Acrylglasrahmen, 53 x 66 cm. Courtesy: Charim Galerie Wien. 

Christian Mayer, Putting in time (12/25/88), 2015. Originales Pressefoto aus Zeitungsarchiv, UV Druck auf Passepartout Acrylglasrahmen, 53 x 66 cm. Courtesy: Charim Galerie Wien. 


Wie funktioniert Erinnerung? Wie manifestiert sich Zeit jenseits einfacher Chronologie? In seiner Serie „Putting in time“  präsentiert Christian Mayer originale Fotografien aus amerikanischen Zeitungsarchiven, die sich mit dem Anlegen so genannter Zeitkapseln beschäftigen: Behältnisse mit Dokumenten, die bei der Errichtung von Häusern in deren Fundament eingelassen werden mit der Absicht, sich in der Zukunft an diese dann Vergangenheit gewordene Zeit erinnern zu können. Auch Aufnahmen vom Öffnen solcher „Time Capsules“ zeigt Mayer, der die historischen Dokumente auf Vergrößerungen der jeweiligen Rückseiten der Fotoabzüge montiert, so dass zwei Seiten des gleichen visuellen Feldes erkennbar sind, das Sichtbare ebenso wie die Hinweise auf dessen Archivierung. Gegenwart und Vergangenheit sind damit gewissermaßen amalgamiert. (vgl. Booklet zur Ausstellung „Destination Wien“, Kunsthalle Wien, 2015). 

Den Wandarbeiten sind in der von Brigitte Huck und Martin Guttmann kuratierten Ausstellung „Present Future Just Past“ Allochtone in Form versteinerter Baumstämme aus einer Schwemmlandebene Madagaskars zugeordnet. Als quasi  „biologische Zeitkapseln“ haben sie 200 Millionen Jahre überdauert und pflanzliche wie auch tierische Fossilen eingeschlossen.


„Christian Mayer scheint sich der Vergangenheit zu bedienen, um die Gegenwart umzuschreiben. Häufig beginnt der 1976 im süddeutschen Sigmaringen geborene, in Wien lebende Künstler mit Episoden und Begebenheiten, die Spuren im gesellschaftlichen Gefüge hinterlassen haben. Mit großer Detailgenauigkeit verschneidet er unterschiedliche (alltags)kulturelle, politische und soziale Kontexte zu reizvollen und visuell intensiven Tableaux. Planmäßig, Schritt für Schritt ordnet er die Wirklichkeit um, schreibt ihr ein neues, ein unvermutetes Script.“ (Brigitte Huck, in frize d/e, 1/2011)


Days of Future Just Past
curated by_ Martin Guttmann & Brigitte Huck
KünstlerInnen: Josef Bauer, Clegg & Guttmann, Beatrix Curan, Mark Dion, VALIE EXPORT, Dan Graham, Marguerite Humeau, Sherrie Levine, Thomas Locher, Dorit Magreiter, Christian Mayer, Markus Schinwald, Robert Smithson, Heimo Zobernig
Ausstellungsdauer: 11.09.–17.10.2015
Charim Galerie, Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien
Mehr unter www.charim.at


Die Ausstellung ist Teil von curated by_vienna, das organisatorisch und finanziell von der Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure unterstützt wird.

Das theoretische Fundament für die 20 am Projekt beteiligten Galerien und  KuratorInnen bildete der vom Philosophen Armen Avanessian verfasste Essay „Tomorrow Today“.