Das 21. Jahrhundert als Remix

Jeanette Zwingenberger lebt als Kunsthistorikerin und Kuratorin in Paris. Für die Galerie Ernst Hilger lässt sie anlässlich von curated by_vienna: Tomorrow Today Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts mit Kunstschaffenden der jüngeren Generation in einen Dialog treten. Der Grundtenor der Ausstellung ist ironisch, der Anspruch ein gesellschaftskritischer.
    
 
       
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Cameron Platter, Endless Pleasure Love Vibes Lover G, 2012, Silikon, Harz, 125 x 70 x 34 cm.


Welche Fragen wirft die von Ihnen kuratierte Ausstellung in Bezug auf das Konzept von curated by_vienna: Tomorrow Today auf? 

Auf Armen Avanessians Spekulativen Realismus entgegne ich mit dem Prinzip der Verdichtung der Bildmontage, das viele der ausgestellten Werke auszeichnet. Dieses multiperspektivische Vorgehen ineinander verschachtelter Bildelemente, stellt sowohl die Simultanität der Ereignisse als auch deren Überschneidungen dar. Das 21. Jahrhundert als Remix beruht auf Wechselbeziehungen unendlich miteinander verknüpfter Realitätsebenen, die sich in der Vieldeutigkeit der Bildgestaltung sowie deren „offenen“ Bildinhalten wiederfindet.
Meine Auswahl basiert auf ausdruckstarken, konkreten Kunstwerken, die in der Ausstellung in einem Dialog miteinander stehen und mit einem Schlag die aktuelle Konsumsucht und den Gruppenzwang bloßlegen. Wir leben im Zeitalter der Bilderflut und Schaulust, der Selfies und narzisstischen Selbstdarstellung. Die heutige Medien- und Unterhaltungsindustrie kennzeichnet die Angst vor der Leere: Horror vacui.  Symptomatisch steht dafür der grinsende, mit Diamanten geschmückte Schädel von Damien Hirst. 

„Kondensierte Zeiten und implodierende Welten“ lautet der Titel der von Ihnen für die Galerie Ernst Hilger kuratierten Schau. Historische Positionen aus dem 20. Jahrhundert werden darin einer jüngeren Künstlergeneration gegenübergestellt. Was vereint die ausgestellten Kunstwerke? 

Die verschiedenen Künstlerpositionen hinterfragen grundlegende Themen der Menschheit: Lust- und Todestrieb, verlorenen Selbst- und Herdentrieb. Die Werke charakterisiert Selbstironie und eine kritisch-distanzierte Haltung zur Gesellschaft. Die KünstlerInnen als Zeitzeugen parodieren bewusst Stereotypen und Vorurteile, um diese subversiv in Frage zu stellen. Der „Undergroundkünstler“ Robert Crumb kämpft schon seit Anfang der 1960er Jahre für Presse-und Redefreiheit, die heute wichtiger ist denn je. Errós Aggregaträume offenbaren eine Zeit- und Ortlosigkeit des Menschen, die die Manipulation des angepassten Konsumenten umso leichter macht. Mel Ramos und Daniele Buetti parodieren den weiblichen Akt als Konsumobjekt. Massimo Vitali reflektiert das Erlebnis des Massenrausches. Das Individuum als Ornament wird Ausdruck des aktuellen Gruppenverhaltens. Die Ausstellung spiegelt den aktuellen Lebensstil wider.

 Damien Hirst,  For the Love of God, believe,  2007, Siebdruck auf Papier, Glasur, 30 x 24 cm.

Damien Hirst, For the Love of God, believe, 2007, Siebdruck auf Papier, Glasur, 30 x 24 cm.

    
 
       
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Steve Gianakos, Her taste for champagne was perhaps political in nature, 1998, Mischtechnik aug Papier, 53 x 52 cm. Courtesy AD Gallery, Athen.

Die Arbeiten einiger in dieser Ausstellung präsentierten Künstler – es sind fast ausschließlich Männer – werden am Kunstmarkt hoch gehandelt. Kritik an der Konsumgesellschaft einerseits und Kunstmarktkompatibilität andererseits – sehen Sie darin einen Widerspruch?

Kunst wird hier zu einer „Umformulierung formulierter Welten“ und führt beim Betrachter zu einem Perspektivwechsel. Die meisten Künstler, mit denen ich seit langer Zeit zusammenarbeite, kennzeichnet eine Außenseiterposition. Auch unterliegt meine Künstlerauswahl keiner Gender-Frage. Übrigens arbeitet Elisabeth Gabriel zusammen mit Daryoush Asgar, siehe das Künstler-Duo Asgar/Gabriel. Die jüngere Künstlergeneration wie Oliver Dorfer, Anton Henning sowie Asgar/Gabriel verweigert sich der vom Markt geforderten Festlegung auf einen Stilbegriff.  Anstatt den Kunstmarkt zu kritisieren, dank dem wir uns hier zusammenfinden, wünsche ich meinen KünstlerInnen sich auf der internationalen Kunstszene durchsetzen zu können sowie eine langfristige Existenz ihrer Kunstwerke.  

War die Auseinandersetzung mit einem Thema wie dem von curated by_vienna: Tomorrow Today für Sie neu? 

Ich habe 2011 die Ausstellung „Alles Kannibalen?“ organisiert, die in Paris im  maison rouge und in der Fondation Antoine de Galbert sowie im me Collectors Room/Stiftung Olbricht in Berlin zu sehen war. Da hinterfragte ich den Körperbezug und das Menschenbild zwischen dem Selbst und dem Anderen, den Ängsten und Phantasmen unserer Zeit angesichts der Zerstörung unseres Lebensraumes. Wir verlassen die metaphorische Ebene. „Hab’ dich zum Fressen gern“, ist nunmehr wortwörtlich zum Überlebenskampf geworden.  Diese Thematik, ist bei Erró, Mel Ramos und Steve Gianakos präsent und schwingt gewissermaßen auch in Armen Avanessians Essay „Tomorrow Today“ mit.

In welchen Feldern sind sie hauptsächlich tätig? Woran arbeiten Sie aktuell? 

Zurzeit lehre ich Kunstgeschichte an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Als international tätige Kunsthistorikerin und freischaffende Kuratorin ist mir die relativierende Gegenüberstellung verschiedener Epochen besonders wichtig, denn sie deckt Kontinuitäten und Bruchstellen auf. Zudem schreibe ich gerade ein Buch zum Thema „Hidden Images“.

Jeanette Zwingenberger curated by Ernst Hilger


Kondensierte Zeiten und implodierende Welten
curated by_Jeanette Zwingenberger
KünstlerInnen: Asgar/Gabriel, Daniele Buetti, Robert Crumb, Oliver Dorfer, Erró, Steve Gianakos, Anton Henning, Damien Hirst, Cameron Platter, Mel Ramos, Spencer Tunick, Massimo Vitali
Ausstellungsdauer: 11.09.–17.10.2015
Galerie Ernst Hilger, Dorotheergasse 5, 1010 Wien
Mehr unter www.hilger.at


Lesen Sie den Text von Armen Avanessian, der den an curated by_vienna: Tomorrow Today beteiligten KuratorInnen und Galerien als Ausgangspunkt diente.    

curated by_vienna wird organisatorisch und finanziell von der Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure unterstützt.