Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

Die Kuratorin Brigitte Huck und der Künstler Martin Guttmann nehmen "Tomorrow Today", das Motto der diesjährigen Ausgabe des Projekts curated by_vienna, zum Anlass, um in der Charim Galerie über Zeit als Phänomen in der Kunst zu reflektieren. Entstanden ist eine Montage von Verschiebungen und Brüchen im Kontinuum von Gegenwart, Zukunft und dem gerade Vergangenen. Brigitte Huck im Gespräch.
    
 
       
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Josef Bauer, ZEIT, 1990. Objekt aus der Serie A, MDF-Platte, Lack, ca. 65 x 110 x 110 cm.


Welche Anregungen haben Sie und Martin Guttmann aus Armen Avanessians Impulstext „Tomorrow Today“, der den Ausgangspunkt für die an curated by_vienna 2015 beteiligten Kuratorinnen und Kuratoren bildete, bezogen? 

Wir sind von Avanessians Theorie der Akzeleration ausgegangen und seinem Gedanken, den Kapitalismus zu beschleunigen und ihn damit zu zerstören. Wir sind beim Begriff der Beschleunigung hängen geblieben, also beim Faktor Zeit. Man stellt schnell fest, dass besonders die moderne Kunst die Idee einer zeitbasierten Kunst sehr ernst genommen hat. Heute, wo der Zeitbegriff selbst sichtlich in Frage gestellt ist, spricht man über das Ende der Geschichte oder das Verschwinden der öffentlichen Zeit. Kunst, die die Zeit fundamental neu denken will, wird geradezu überlebenswichtig. 

„Days of Future Just Past“ lautet der Titel der für die Galerie Charim konzipierten Ausstellung. Was ist ihr Kerngedanke?

Werke zu zeigen, die etwas Neues über die Zeit oder die Beziehung von Kunst und Zeiterleben aussagen. Es geht um die Beziehung von Zeit und Raum und darum, wie sich Objekte mit der Zeit verändern. Wir blicken aber auch zurück in die Vergangenheit. Walter Benjamins Idee des „gerade Vergangenen“ spielt eine Rolle, der besagt, dass die Vergangenheit in der Gegenwart steckt und unser Gedächtnis die Vergangenheit nicht widerspiegelt, sondern neu erfindet. Daher haben wir historische Arbeiten von Dan Graham, VALIE EXPORT und Robert Smithsons Aufsatz „The Monuments of Passaic“*  jüngeren und ganz aktuellen Arbeiten gegenübergestellt.

Der Ausstellungstitel erinnert an den Marvel-Comic „Days of Future Past“ aus dem Jahr 1981. Die Protagonisten reisen darin in die Vergangenheit, um den Verlauf der Ereignisse, die Zukunft, zu verändern. Kennen Sie den Comic?

Ja, den kennen wir. Der Comic ist auch ein Anknüpfungspunkt für die Ausstellung und natürlich auch den Titel gewesen. In Avanessians Buch #Akzeleration gibt es übrigens einen Artikel von Benjamin Noys mit dem Titel „Days of Phuture Past: Kapitalismus, Zeit, Akzeleration“. Wir haben dann noch das Benjaminsche „Just“ Past, das „gerade“ Vergangene, hineingeschmuggelt.

    
 
       
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Clegg & Guttmann, Our Production / The Production of Others BT/, 2013 [(1990) (1982)]. Lamda Print kaschiert auf Plexiglas auf Aluminium aufgezogen, MDF, 236 x 165 cm.

Die Ausstellung versammelt mehrere Künstlergenerationen. Beginnend mit Josef Bauer, der 1934 geboren wurde bis hin zu Beatrix Curran, deren Geburtsdatum in das Jahr 1988 fällt. Wie wichtig war Ihnen dieser Generationenmix hinsichtlich des thematischen Fokus Zeit? Sehen Sie anhand der ausgestellten Positionen einen unterschiedlichen Zugang zur Thematik?

Ja, unbedingt. Ausgehend von den 1970er Jahren mit Dan Graham, VALIE EXPORT und Robert Smithson, als die Zeit als vierte Dimension in den Kunstbereich eingeführt worden ist, sind die Arbeiten der Konzept- und AppropriationkünstlerInnen, die in der Ausstellung mit Joseph Bauer, Mark Dion, Clegg & Guttmann, Sherrie Levine, Dorit Margreiter, Christian Mayer, Thomas Locher und Heimo Zobernig vertreten sind, nicht allein auf Text und Institutionskritik gegründet, sondern es geht immer auch um eine ästhetische Erfahrung. Für die jüngere Generation scheinen Musik, Musikperformance und Tanz als klar zeitbasiert eine große Rolle zu spielen. Anhand der Arbeiten von Marguerite Humeau, Beatrix Curran und Markus Schinwald lässt sich das gut nachvollziehen. 

Wahrnehmung findet gewöhnlich in der Gegenwart statt. Deshalb sind wir nicht in der Lage, Vergangenes oder Zukünftiges wahrzunehmen. Gibt es in der Ausstellung Werke zu sehen, die über diese Feststellung nachdenken lassen?

Da würde ich zunächst Dan Graham erwähnen. Er lässt in der Performance „Past Future Split Attention“ zwei Personen sprechen. Während eine ohne Unterbrechung das Verhalten der anderen voraussagt, rekapituliert diese aus der Erinnerung die soeben gesehenen Aktionen ihres Gegenübers. Eine feedback/feedahead-Reflexion wie sie auch in VALIE EXPORTS Closed-Circuit-Videoinstallation „Split Video Mobile“ zu finden ist. Vergangenheit und Zukunft verschieben sich ineinander. 
Diesem Phänomen begehet man auch im Beitrag von Clegg & Guttmann. 1982 entsteht eines ihrer fiktiven Gruppenbilder im Großformat, von dem sie einen feinkörnigen Abzug herstellen. 1990 wird das Bild von einer japanischen Kunstzeitschrift als Umschlagfoto gedruckt, wodurch das für den Offsetdruck typische Punktraster hinzukommt. 2013 schließlich scannen Clegg & Guttmann den Umschlag ein und machen ein Pixelbild daraus. Als Kunstwerk vereint die Arbeit nunmehr Körner, Punktraster und Pixel und macht damit eine Archäologie der Reproduktionstechniken im Laufe der Zeit sichtbar.
Auch Marguerite Humeau gelingt in ihrer Soundarbeit „Cleopatra, that Godess“ eine Rekonstruktion der Vergangenheit, die in der Gegenwart erlebt wird. Sie hat mit Wissenschaftlern und Sprachlabors in Cambridge und Paris gearbeitet, um Cleopatras Stimme wiederzubeleben. Resultat ihrer Recherchen ist eine synthetische Stimme, die ein Liebeslied in jenen längst verlorenen Sprachen singt, die in der Welt des Alten Ägypten gesprochen wurden.

Brigitte Huck, Martin Guttmann, curated by_vienna, Tomorrow Today, Charim Calerie, 2015


*Anmerkung: Robert Smithsons Aufsatz „The Monuments of Passaic“ erschien in der Zeitschrift Artforum im Dezember 1967. Smithson hatte einen Ausflug in die Industriestadt Passaic, New Jersey, zum Anlass genommen, die Baustelle für eine neue Autobahn so zu betrachten, als ob er vor antiken Denkmälern stünde. Er beschrieb die Baustelle, die Baumaschinen, die Rohre und Erdverschiebungen, bezeichnete einige davon als Monumente und kam zum Schluss: „Dieses Null-Panorama war offenbar voller umgekehrter Ruinen – voller neuer Bauten, die hier einmal hingesetzt werden würden. Umgekehrte Ruinen sind das Gegenteil der ‚romantischen Ruine‘, denn diese Bauten zerfallen nicht in Trümmer, nachdem sie gebaut wurden, sondern erheben sich zu Trümmern, bevor sie gebaut werden.”


Days of Future Just Past
curated by_ Martin Guttmann & Brigitte Huck
KünstlerInnen: Josef Bauer, Clegg & Guttmann, Beatrix Curan, Mark Dion, VALIE EXPORT, Dan Graham, Marguerite Humeau, Sherrie Levine, Thomas Locher, Dorit Magreiter, Christian Mayer, Markus Schinwald, Robert Smithson, Heimo Zobernig
Ausstellungsdauer: 11.09.–17.10.2015
Charim Galerie, Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien
Mehr unter www.charim.at


Lesen Sie den Text von Armen Avanessian, der den an curated by_vienna: Tomorrow Today beteiligten KuratorInnen und Galerien als Ausgangspunkt diente.    

curated by_vienna wird organisatorisch und finanziell von der Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure unterstützt.