Energetische Verdichtung von Kunst

Marcus Andrew Hurttig hat den diesjährigen curated by-Beitrag der Gabriele Senn Galerie konzipiert. Im Zentrum der Ausstellung steht eine Videoarbeit des Künstlerduos FAMED, in der die komplexen sozialen Verzahnungen im Betriebssystem Kunst humorvoll thematisiert werden.
 Gabriele Senn Galerie, curated by Marcus Andrew Hurttig, Ausstellungsansicht, FAMED,  Privileg der Umstände , 2015. Foto: FAMED.

Gabriele Senn Galerie, curated by Marcus Andrew Hurttig, Ausstellungsansicht, FAMED, Privileg der Umstände, 2015. Foto: FAMED.


Ihre Forschungsschwerpunkte bilden die Malerei der deutschen und italienischen Kunst des 16., des 19. und des 20. Jahrhunderts. War das Kuratieren der Ausstellung im Rahmen von curated by_vienna: Tomorrow Today für Sie mehr eine Exkursion in den Bereich zeitgenössische Kunst?

Eine Exkursion ja, aber nicht im Sinne eines wohlgefälligen Ausfluges in unbekannte Gebiete der Kunst, sondern im Sinne einer inhaltlichen Vertiefung und konzentrierten Auseinandersetzung mit den jüngsten Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst. Die Epochen der Alten Meister, ob Renaissancekunst oder Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, die die Schwerpunkte meines Studiums und meiner kuratorischen Tätigkeit am Museum der bildenden Künste Leipzigs bildeten und bilden, dienen als Folie, vor der die Traditionslinien und Brüche zwischen Alter und Neuer Kunst erst sichtbar werden. Darüber hinaus ist mein Privatleben durch den Kontakt mit zeitgenössischen KünstlernInnen geprägt, deren Werkschaffen ich verfolge.

Die Schau in der Gabriele Senn Galerie zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Galerieprogramm, die um die Videoarbeit „Privileg der Umstände“ des Künstlerduos FAMED gruppiert sind. Wer steht hinter FAMED? Was macht die Arbeit in Hinblick auf das diesjährige Thema von curated by_vienna interessant?

FAMED, 2003 gegründet, lebt und arbeitet in Leipzig. Ihr Werkschaffen sticht im Leipziger Kunstkosmos insofern hervor, als FAMED nicht „malt“, sondern auf einer konzeptionellen Grundlage arbeitet und bei der Realisierung ihrer Ideen mit einem Höchstmaß an Präzision vorgeht. Hinzukommt, dass der Materialästhetik ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Ihre Werke – Videoarbeiten, Installationen, Lichtarbeiten – nehmen Bezug auf das Wechselverhältnis von Kunst und Gesellschaft beziehungsweise integrieren sich als Fremdkörper darin, teils ironisch, teilsmerkwürdig passiv. Vor diesem Hintergrund habe ich FAMED eingeladen, eine Arbeit vor Ort zu realisieren.

   
  
 
  
    
  
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  André Butzer,  Ohne Titel,  2005, Aquarell, 50 x 65cm.

André Butzer, Ohne Titel, 2005, Aquarell, 50 x 65cm.

Was waren Ihre ersten Gedanken beim Lesen von Armen Avanessians Text, der den Kurtorinnen und Kuratoren der diesjährigen Ausgabe von curated by_vienna als Ausgangsbasis diente?

Unverständnis war die unmittelbare Reaktion bei der ersten flüchtigen Lektüre. Beim erneuten Lesen wurde mir meine Unwissenheit beziehungsweise Naivität als Museumsmensch gegenüber den wechselseitigen Impulsen, die zwischen Kunst und Kapital stattfinden, bewusst.

Welche Essenz haben Sie für sich aus dem Text gezogen?

Bei der dritten Lektüre keimte in mir das Interesse an der Fragestellung auf, inwiefern der Kunstmarkt, anders formuliert die kapitalistische Distribution von Kunstwerken, durch curated by_vienna kritisch verhandelt werden kann.

Wenn Sie sich in die Rolle des Betrachters der Ausstellung in der Gabriele Senn Galerie versetzten, mit welchem Eindruck würden Sie diese verlassen?

Wenn ich die Videoarbeit „Privileg der Umstände“ von FAMED mit Interesse, und ohne durch Mitmenschen abgelenkt zu werden, von Anfang bis Ende anschaue, dann würde ich mitbekommen, dass die beiden Schau- und Verkaufsräume der Galerie durch einen Heiler gereinigt worden sind, dass der Heiler eine Stelle mit einem energetischen Höchstwert ausgewiesen hat, an der die Kunst, die aus dem Kellermagazin der Galerie hervorgebracht wurde, partizipieren möchte. Vielleicht würde ich dann sagen: Gute Idee, um die Verkaufsmöglichkeiten von Kunst zu optimieren.

Marcus Andrew Hurttig


FAMED – Privileg der Umstände
curated by_Marcus Andrew Hurttig
Mit Werken von: Cosima von Bonin, Cäcilia Brown, André Butzer, Kerstin von Gabain, Kathi Hofer, Dennis Loesch, Marko Lulić, Ivo Kocherscheidt, Tomasz Kowalski, Kitty Kraus, Barbara Mungenast, Michael Riedel, Max Schaffer, Hank Schmidt in der Beek, Elfie Semotan, Hans Weigand, Wermke/Leinkauf
Ausstellungsdauer: 11.09.–17.10.2015
Gabriele Senn Galerie, Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien
Mehr unter www.galeriesenn.at


Lesen Sie den Text von Armen Avanessian, der den an curated by_vienna: Tomorrow Today beteiligten KuratorInnen und Galerien als Ausgangspunkt diente.    

curated by_vienna wird organisatorisch und finanziell von der Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure unterstützt.