Gabriele Senn Galerie

 Exhibition View, It’s a war zone out there. Everybody has some kind of a history, curated by_Cosima von Bonin, Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie   

Exhibition View, It’s a war zone out there. Everybody has some kind of a history, curated by_Cosima von Bonin, Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie

 

 Exhibition View, It’s a war zone out there. Everybody has some kind of a history, curated by_Cosima von Bonin, Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie

Exhibition View, It’s a war zone out there. Everybody has some kind of a history, curated by_Cosima von Bonin, Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie

curated by_Cosima von Bonin

Gabriele Senn Galerie

 

Enough Romance. Let's Fuck. 

Meine Herkunft habe ich mir selber ausgedacht. Zu Diedrich Diederichsens, für die 2016er Ausgabe der curated by_vienna gewähltem Überbegriff. Einige Bemerkungen von Cosima von Bonin, Organisatorin einer der neunzehn Ausstellungen zu dem Thema. 

It’s a war zone out there. Everybody has some kind of a history.

Diejenigen Künstlerinnen und Künstler, die zugesagt haben, bei der Ausstellung in Gabriele Senns Galerie mitzumachen, meinen folgenden Versuch einer Rechtfertigung jedoch nicht unterschreiben mögen, müssen da leider trotzdem durch. Nicht ohne meinen Ratschlag, sich an Diedrich Diederichsens, für die diesjährige Ausgabe der curated by_vienna Sache ausgewählten Überbegriff Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht und seinem Text darüber (1) zu halten, und mir diese Pressemitteilung zu verzeihen.

 

"Egal ob Oma und Opa nun adoptiert, radikal und unerschrocken, echt oder bloß erstunken und erlogen sind, ich hatte keine Lust und auch keine Chance mehr, mich mit den besten Lügnern der Kunstwelt, einer der unzähligen Welten, zu beschäftigen."

 

Für mich ist Diederichsens Text zu dem Thema zum neidisch werden perfekt und deshalb nicht zu toppen. Denn da steht ja alles drin. Deshalb mache ich es mir, wie so oft, ziemlich einfach, meine Auswahl der Arbeiten zu legitimieren. Bei der naheliegenden Anfrage der Organisatorinnen und Organisatoren als Kuratorin doch bitte ein Konzept meines Projektes abzuliefern, klingelten bei mir sofort alle Alarmglocken. Kurator, Konzept, Projekt. Diese drei Wörter gehören für mich alle zu dem Kriegsgebiet Kunst eines da draußen tobenden Krieges, bei dem ich vor einiger Zeit Fahnenflucht begangen habe und mich seit dem unter dem Küchentisch meiner Großeltern versteckt halte (2). Egal ob Oma und Opa nun adoptiert, radikal und unerschrocken, echt oder bloß erstunken und erlogen sind, ich hatte keine Lust und auch keine Chance mehr, mich mit den besten Lügnern der Kunstwelt, einer der unzähligen Welten, zu beschäftigen.

Ich möchte mehr mit den Künstlerinnen und Künstlern als mit deren Arbeiten, die bei Gabi Senn zu sehen sein werden, angeben. Einige, die bei der von mir zusammengestellten Ausstellung mitmachen, werden am 8. September in der Galerie zugegen sein. Außer sie flüchten. Diejenigen jedoch, die während der Eröffnung durchhalten werden, um die Fahnen für Enough Romance. Let’s Fuck (5) tapfer hochzuhalten, sprechen Sie diese doch gerne an. Mal sehen, wie/ob sie antworten.

 

Works by
Jamie Crewe
Colin De Land
Paul Hance
Hoffmann Oswald
Okka Esther Hungerbühler
Oliver Husain
Luise Jebens
Sergej Jensen
Simone Junker
Martin Kippenberger
Julia Koep
Nina Könnemann1
Michael Krebber
Róisín Murphy2
Jutta Pohlmann / Dirk von Lowtzow
Claus Richter
Jack Smith
Surfer Anonymous
 

Cosima von Bonin (*1962 in Mombasa, Kenia) ist eine deutsche Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Köln. 

 Exhibition View,     Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie

Exhibition View, Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie

 Exhibition View,     Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie

Exhibition View, Gabriele Senn Galerie, 2016, Photo: Gabriele Senn Galerie


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Gabriele Senn Galerie

Schleifmühlgasse 1A • 1040 Vienna • Austria

www.galeriesenn.at

 


(1) Lustigerweise im Netz nur auf der Seite der Wiener Wirtschaftsagentur unter https://wirtschaftsagentur.at/kreativwirtschaft/curated-by-vienna/curated-by-vienna-2016/konzept/ zu finden.
(2) ......Vielleicht ist es deswegen ja so, dass es zu der adoptierten Großmutter, dem aus obskuren, aber radikalen Winkeln der Kunstgeschichte hervorgezogenen Großvater noch eine andere Alternative gibt: die Thematisierung der tatsächlichen eigenen Herkunft. Dies gilt vor allem dort, wo künstlerische Positionen sich eben nicht aus der ödipalen Logik westlicher und marktorientierter Generationenfolgen mit Elternmorden und Ablösungen ergeben, sondern aus minoritären und marginalisierten Geschichten, die von außen auf die Burgen und Paläste einer Kunstwelt schauen, in deren Inneren die Diadochenkämpfe toben. Natürlich gibt es auch hier einen mittlerweile gut bekannten Mechanismus, der tendenziell zu einer Konvergenz der beiden Strategien führt: ob meine Geschichte nun von einer externen Position beginnt oder von einer internen: in jedem Falle besorge ich mir einen radikalen Großvater, eine unerschrockene Großmutter, ob nun nur auf dem Wege ideeller Verwandtschaft oder über eine zwar biologische Verwandtschaft, die im Ergebnis aber auch vor allem ideell wirksam wird...... | Aus Diedriech Diederichsens Text „Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht“.
(3) Aus dem Film I Love You Phillip Morris, mit Ewan Mc-Gregor und Jim Carrey.