Gabriele Senn Galerie

 Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Lana Cmajcanin, 166987 Pricks, 2013, Tischdecke, Seide, Stickerei, Seidenstickgarn, variable Größe, Photo: Joana Dias

Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Lana Cmajcanin, 166987 Pricks, 2013, Tischdecke, Seide, Stickerei, Seidenstickgarn, variable Größe, Photo: Joana Dias

 Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Lana Cmajcanin, 166987 Pricks, 2013, Tischdecke, Seide, Stickerei, Seidenstickgarn, variable Größe, Photo: Joana Dias

Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Lana Cmajcanin, 166987 Pricks, 2013, Tischdecke, Seide, Stickerei, Seidenstickgarn, variable Größe, Photo: Joana Dias

 

curated by_Dirck Möllmann

Gabriele Senn Galerie

 

Das kleine i

Das Bett ist ein Gegenort der Arbeit. Inaktiv. Wir ruhen, unser Körper arbeitet ohne uns. Wärme, Verdauung, Erholung. Wir träumen. Das Unbewusste arbeitet mit uns. Wir machen Liebe. Das Weitere geschieht von allein. Wir brauchen das Bett, es setzt uns außer Kraft. Das Bett fordert keine Entscheidung zwischen aktiv und passiv, zwischen Ja und Nein, es nötigt zu keinem Sinn. Es schafft andere Zustände. Wir schlafen, wir sterben im Bett. Das Bett ist mehr als ein Gegenort. Indem es Arbeit und Nichtstun in sich vereint, suspendiert es den täglichen Konflikt um Bedeutung und die unablässige Arbeit am Sinn – das Bett ist wie ein Neutrum1 . Es lässt die Zeit stillstehen. Ein leidenschaftlicher Ort, ein Zustand der Inbrunst, eine Intensität der Erschöpfung. In tiefem Vertrauen. Im traumlosen Schlaf. Zu zweit, allein. Auf den Schlaf folgt ein Erwachen. „Ich schlafe immer, ich brauche Zeit, um aufzuwachen, um zu begreifen“, sagte der sterbende André Gide. Sein Erwachen umschreibt ein spätes Verstehen in der Zeit. Langsam begreifen. Wortlos. Voller Bilder.

 
"In jeder Arbeit verkörpert sich die unmögliche Möglichkeit der Kunst. Und darum geht es ja schließlich."
 

Die Ausstellung Das kleine i könnte auch Das kleine n wie Neutrum heißen oder Das kleine a wie das Objekt klein a. Das kleine i meint den Zustand, außer Kraft gesetzt zu sein, nutzlos, inaktiv und zugleich empfänglich für andere Signale der Kommunikation. Eher wie ein Rauschen im unsteten Begehren einer „potentia passiva“2. Ein Zustand der Schwebe, ähnlich der Kunst, in einem Zartgefühl, das zu nichts dient (Barthes).

Die hier versammelten Werke stammen von zwei Generationen von Künstlerinnen und Künstlern sowie aus verschiedenen Zeiten. Keines von ihnen bezieht sich auf das Bett als Motiv. In jedem von ihnen lässt sich dieser besondere Zustand auffinden, außer Kraft gesetzt und zugleich empfindsam zu sein. Sei es durch Abwesenheit wie bei dem delikaten und in Auflösung begriffenen Vakuum von Paul Etienne Lincoln (zu sehen sind Zeichnungen, Dokumente und ausgegliederte Editionen des ursprünglichen Werks), als Präsenz einer einschnürenden Leseerfahrung bei Lana Cmajcanin, im faszinierenden Formmaterial der kollektiven Zeitgestalten von James Cabot oder in jenem eleganten Schwebezustand des Sehens und Verstehens in den Installationen von Saskia Noor van Imhoff. In jeder Arbeit verkörpert sich die unmögliche Möglichkeit der Kunst. Und darum geht es ja schließlich.

Dirck Möllmann

1 Vgl. Roland Barthes, Das Neutrum (1977/78), Frankfurt am Main 2005. 2 Vgl. Kathrin Busch, P – „Passivität“ (Kleiner Stimmungs-Atlas in Einzelbänden, hg. v. Jan-Frederik Bandel u. Nora Sdun, Bd. 6), Hamburg 2012.

 

Works by
James Cabot
Lana Cmajcanin
Saskia Noor van Imhoff
Paul Etienne Lincoln
 

Dirck Möllmann (*1963) ist Kurator am Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, Universalmuseum Joanneum, Graz.

 

 Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Saskia Noor van Imhoff #+14.11, 2013, A2-C-Print, Luftbefeuchter, Photo: Gert Jan van Rooij

Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Saskia Noor van Imhoff #+14.11, 2013, A2-C-Print, Luftbefeuchter, Photo: Gert Jan van Rooij

 Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Paul Etienne Lincoln, Jeanne-Antoinette Poisson Madame d’Étioles Madame de Pompadour (Pompadour Glass Rose), 1993, Stoffschachtel, Siebdruckglas, 2 bedruckte Karten , 4×40,5×51 cm, Photo: Paul Etienne Lincoln

Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Paul Etienne Lincoln, Jeanne-Antoinette Poisson Madame d’Étioles Madame de Pompadour (Pompadour Glass Rose), 1993, Stoffschachtel, Siebdruckglas, 2 bedruckte Karten , 4×40,5×51 cm, Photo: Paul Etienne Lincoln

 Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Saskia Noor van Imhoff #+14.11, 2013, A2-C-Print, Luftbefeuchter, Photo: Gert Jan van Rooij

Das kleine i, curated by_Dirck Möllmann, Saskia Noor van Imhoff #+14.11, 2013, A2-C-Print, Luftbefeuchter, Photo: Gert Jan van Rooij


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