Galerie Emanuel Layr

 Annexes: books, editions & vitrines and a new presentation of "Berlin Local", curated by Catherine Chevalier & Benjamin Hirte, Installation View, Galerie Emanuel Layr

Annexes: books, editions & vitrines and a new presentation of "Berlin Local", curated by Catherine Chevalier & Benjamin Hirte,
Installation View, Galerie Emanuel Layr

 

curated by_Catherine Chevalier & Benjamin Hirte

Galerie Emanuel Layr

 

Present Now

Ich habe diese Fantasievorstellung in der Lee Loza-no, Dan Graham und Stephen Kaltenbach sich in einem Raum befinden, drauflosreden und Ideen austauschen. Mein persönlicher Traumtrilog. Oder ein Zweierdialog mit Lee als Verbindungsglied. Das ist ein Soho-Szenario, das 1969/70 möglich gewesen wäre, vielleicht in Lees Loft in der 60 Grand Street oder in der Nähe von Dan, eventuell auch bei Steve. Oder bei Dave‘s Corner oder in der St. Adrian’s Bar oder einfach auf der Straße.

Sarah Lehrer-Graiwer, Joint Dialogue

 

Ich wollte mit Berlin Local also eine Art von Gegenbewusstsein hervorheben: Eine Kultur, die auf eine ganz bestimmte Gemeinschaft bezogen ist, die ihre Werte formuliert oder etwas ausdrückt, das die Menschen aus der Umgebung in- teressiert, etwas, wovon sie sich angesprochen fühlen können. Außerdem glaube ich, dass Berlin eine Stadt ist, die von der Politik der jüngeren Geschichte mit ihren gegensätzlichen Ideen von einer kooperativeren, sozialen Gesellschaft einerseits und einer eher materiellen, kompetitiven Gesellschaftsform andererseits zerrissen wurde. Berlin befindet sich schon seit einer ganzen Weile in diesem Zwiespalt, darum ist die Aussage von Berlin Local: Hier sind wir! Das hier ist meine Identität. Ich bin hier. Das hier ist der Ort, an dem ich lebe, und dieser Ort ist ein ideologischer Scheideweg, Mehringdamm ist dieser Scheideweg, in seiner Nachbarschaft gibt es viele Menschen, die ihre eigene Lebensweise ausdrücken, und genau das wollte ich betonen. Diese Idee steht im Hintergrund der Arbeit Berlin Local, was, wie Sie richtig sagen, zu diesem Zeitpunkt ein streitbarer Titel ist. Er stellt sich gegen eine globalisierte Kultur, wie sie in der Welt und insbesondere in der Kunstwelt vorherrscht. Außerdem habe ich Kunst durch meine Arbeitsweise und die Art, wie sie sich entwickelt hat immer schon als soziales Phänomen betrachtet, als etwas, das zwischen den Menschen existiert –bis hin zu dem Punkt, dass der Betrachter eines Kunstwerks am Ende wichtiger ist als der Künstler. Man braucht eine Gemeinschaft und eine Öffentlichkeit, die der Arbeit Wert und Bedeutung geben. Wobei es insbesondere darum geht, die Vorstellung einer konzeptuellen und lokalen Bedeutung zu formulieren.

Stephen Willats, Berlin Local

 

Wenn die Medien das Soziale ermorden, dann hat das Soziale sich immer schon selbst ermordet. Die Sicherheit von Insiderinformationen und Gossip, welche die Gemeinschaft, die Kunstgeschichte und den Wert legitimieren, ist nur flüchtig und lässt einen in der Bereitschaft die Verseuchung durch genau jene Medien zu behaupten, die dieses Gefühl von Sicherheit, Trennung und Eingeschlossenheit erzeugen, sobald ihr beabsichtigter Entwicklungsverlauf verändert wird. Der Mehrwert der Gesellschaftsbeziehungen wird durch den Mythos des ortlosen Kunstwerks aufgewertet. Dieser Mehrwert führt die Kunst zur Aufgabe, Netzwerke zu stärken, zu managen, zu filtern und zu neutralisieren, um zwischen ihnen geschmeidigere Verbindungen zu ermöglichen.

Anstatt den Begriff des Kunstwerks zu bewahren, sollte man es als Taschenspielertrick sehen, der auf Freiheit oder räumliche Verschiebung hinweist, um uns in höhere Formen von Regulierung zu führen. Wenn Remediatisierung von Kunst Resozialisierung bedeutet, stellt sich die Frage, welche kulturelle Technik noch bleibt, die Abweichungen und Szenenwechsel möglich macht, aber zu- gleich den Wert und die heiligen Rechte des Status quo unangetastet lässt. In Ballards Narrativ war es der Verlust des Gefühls der Eingeschlossenheit, der uns als Impuls für Selbstkontrolle und eine zunehmende Beschleunigung des Kreislaufs innerhalb des eigenen Handlungsrahmens dient bis sich schließlich die Ansteckung von einen Turm zum nächsten ausbreitete.

Luke Cohen, „Charivari“, in Control Issue Nineteen

 

Die Idee war, dass wir schöne Dinge für zu Hause produzieren, mit unseren verschiedenen Begabungen und Fähigkeiten zusammenarbeiten und ein Heimgewerbe gründen, das wir mit unseren behinderten Freunden teilen können und dabei unsere kleine Gruppe auf eine unabhängige und angenehme Weise versorgen. 

Bernadette Van-Huy, „Single Moms“

Übersetzung: Nina Frantz/Rebekka Ladewig/ Thomas Raab/Alena Schmuck 

 
Works by
Bernadette Corporation
Hotel Charleroi
Jay Chung & Q Takeki Maeda
Karl Holmqvist
Axel Huber
Anne Imhof
Sarah Lehrer-Graiwer
Niklas Lichti
Mathieu Malouf
Moctezuma
Pro Choice
M/L Lena Henke und Marie Karlberg
Georg Petermichl
Alejandra Riera
Ferdinand Schmatz
Single Moms
Josef Strau
Ramaya Tegegne
Tanja Widmann
Stephen Willats
Heimo Zobernig
 
 

Catherine Chevalier – Kunstkriterin – lebt und arbeitet in Paris

Benjamin Hirte – Künstler – lebt und arbeitet in Wien

 Heimo Zobernig, Videoedition für Texte zur Kunst, 1991, Video (color and sound), 30:00min, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

Heimo Zobernig, Videoedition für Texte zur Kunst, 1991, Video (color and sound), 30:00min, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

 Niklas Lichti, Excerpt from Lust & Learning, 2014, Fabric and plaster, Dimensions variable, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

Niklas Lichti, Excerpt from Lust & Learning, 2014, Fabric and plaster, Dimensions variable, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

 Annexes: books, editions & vitrines and a new presentation of "Berlin Local", curated by Catherine Chevalier & Benjamin Hirte, Installation View, Galerie Emanuel Layr, 2015, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

Annexes: books, editions & vitrines and a new presentation of "Berlin Local", curated by Catherine Chevalier & Benjamin Hirte,
Installation View, Galerie Emanuel Layr, 2015, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

 Annexes: books, editions & vitrines and a new presentation of "Berlin Local", curated by Catherine Chevalier & Benjamin Hirte, Installation View, Galerie Emanuel Layr, 2015, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

Annexes: books, editions & vitrines and a new presentation of "Berlin Local", curated by Catherine Chevalier & Benjamin Hirte,
Installation View, Galerie Emanuel Layr, 2015, Courtesy: Galerie Emanuel Layr

 Moctezuma/ Single Moms, Jewellery, Silk scarfs, Dimenstions variable Tanja Widmann, Eine von Euch (Willy Nilly Remix), 2012/ 2015, ipad draft for upcoming publication, Courtesy: Galerie Emanuel Layr 

Moctezuma/ Single Moms, Jewellery, Silk scarfs, Dimenstions variable Tanja Widmann, Eine von Euch (Willy Nilly Remix), 2012/ 2015, ipad draft for upcoming publication, Courtesy: Galerie Emanuel Layr 

 Stephen Willats, Wall drawing with diagram Posters, Discussion with Catherine Chevalier about Berlin Local at MD72, Video, 21:00

Stephen Willats, Wall drawing with diagram Posters, Discussion with Catherine Chevalier about Berlin Local at MD72, Video, 21:00


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