Galerie Grita Insam

 Galerie Grita Insam, curated by_Joseph Backstein, Arseniy Zhilyaev, Design macht frei, 2011

Galerie Grita Insam, curated by_Joseph Backstein, Arseniy Zhilyaev, Design macht frei, 2011

curated by_Joseph Backstein

Galerie Grita Insam

 

Auf der Suche nach einer Alternative

Die KünstlerInnen der im Rahmen dieses Projektes ausgestellten Werke legen ihr Hauptaugen- merk auf die Bedingungen, unter denen sich die Zivilgesellschaft im heutigen Russland entwickelt, sowie auf die gegenwärtige Situation des Landes. Daneben werden Metaphern eingesetzt, die frühere Epochen der russischen und sowjetischen Geschichte thematisieren. Die KünstlerInnen versuchen, die Position der Künstlergemeinschaft als Raum zu verteidigen, der alternative Werte umfasst sowie alternative Territorien/Dimensionen der menschlichen Existenz schafft und nicht ohne weiteres für Propagandazwecke instrumentalisiert werden oder in die Maschinerie der Unterhaltungsindustrie geraten kann.

Auf der Suche nach alternativen künstlerischen Strategien setzen sich die Teilnehmer des Projektes mit der Frage nach der Kontinuität in der russischen zeitgenössischen Kunst auseinander. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Werke von Nadezhda Busheneva, Alina Gutkina, Kirill Gluschenko und Arseniy Zhilyaev – Künstler, die allesamt als „typische Vertreter“ ihrer Generation bezeichnet werden können – auf eindrucksvolle Weise die Tendenzen der jüngsten Vergangenheit widerspiegeln, und zwar die Phase der Stabilisierung der politischen Lage im post-sowjetischen Russland.

Bei näherer Betrachtung der Einzigartigkeit der ästhetischen Sprache der Teilnehmer gilt es hervorzuheben, dass sich Busheneva mit dem historischen Gedächtnis befasst und sich dabei Metaphern industrieller Gebäude aus der sowjetischen Zeit bedient, die das visuelle Potenzial eines totalitären Staates verkörpern. Zhilyaev greift ebenfalls das Sujet der sowjetischen Geschichte auf und vertritt dabei die These, dass die Idee der klassenlosen Gesellschaft noch heute ein relevantes, wenn auch durch die umstrittene stalinistische Interpretation erheblich in Verruf geratenes Thema ist. Gutkina untersucht Generationenpsychologie und -verhalten und legt da- bei ihren Schwerpunkt auf die Generation der 1990er-Jahre; eine Generation, die sich natur- gemäß der Umbrüche der postsowjetischen Ära nicht bewusst ist. Gluschenko verfolgt einen ähnlichen Ansatz bei seinem Versuch, die – im Grunde nicht mehr existente – soziale Realität im Gedächtnis seiner Generation aufzuspüren und festzuhalten.

Wir lernen von denen, die uns vorantreiben, ganz gleich wo sie sich gerade be nden. Ähnlich verhält es sich mit den KünstlerInnen dieses Projektes, die eher den internationalen Kontext in Betracht ziehen als die Geschichte der russischen Kunst, die erst noch in einer angemessenen und verständlichen Weise geschrieben werden muss. Und die KünstlerInnen wählen gerade diesen Weg, weil sie, unter anderem, selbst in diesen internationalen Kontext aufgenommen wurden – oder zumindest gerade aufgenommen werden; und nicht etwa, weil sie ihre eigene Geschichte verleugnen.

 

Works by
Nadezhda Busheneva
Kirill Gluschenko
Alina Gutkina
Arseniy Zhilyaev
 

Joseph Backstein *1945 in Moskau, lebt und arbeitet in Moskau


GALERIE GRITA INSAM   1971-2011

Founded in 1971 (originally as Modern Art Gallery), the Galerie Grita Insam has promoted young local artists and collaborated with international artists since the beginning. The gallery closed, after 40 adventurous years, in 2011 due to the illness of its founder Grita Insam.