Galerie Hubert Winter

 Exhibition View, Galerie Hubert Winter, curated by_Yve-Alain Bois, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

Exhibition View, Galerie Hubert Winter, curated by_Yve-Alain Bois, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

 

curated by_Yve-Alain Bois

Galerie Hubert Winter

 

Junge KünstlerInnen auf beiden Seiten des Atlantiks interessieren sich derzeit wieder vermehrt für das Werk von Martin Barré. Ähnliches gilt für den amerikanischen Bildhauer Fred Sandback, der ebenfalls jahrelang als vergessen galt.

Obwohl sie unterschiedlichen Generationen angehören, haben sie viel gemeinsam. Beide gingen durch eine konzeptuelle Phase, und erst als Reaktion auf diese konnten sie ihren höchst minimalistischen Stil und ihre unerschütterliche Treue zu einer traditionellen Kunstgattung entwickeln. Bei Sandback war dies die Bildhauerei, bei Barré die Malerei, in der er sogar das uralte Konzept des Tafelbildes wieder aufnahm. Zu ihrer Zeit wirkte das anachronistisch. Heute aber, nach all den Jahren der aufgeblasenen Installationskunst, wirken ihre Arbeiten geradezu vorausschauend. Man zerstört keine Kunstgattung, indem man einfach vor ihr davonläuft! Nichtsdestoweniger weisen ihre Werke zahllose Unterschiede auf. Wie könnte es auch anders sein, wo doch beide so sehr an ihrem Ausdrucksmittel hingen. Sandback verstand seine Fadenskulpturen oft als abstrakt, führte sie jedoch in ganz spezifischen, konkreten architektonischen Kontexten aus. Ja, sie waren und sind sogar abhängig von diesen Kontexten. Im Gegensatz dazu konstruierte Barré den malerischen Kontext seiner Bilder minutiös. Besonderes Augenmerk galt dabei dem Bildformat, das als wichtigstes Bindeglied zwischen den einzelnen Gemälden einer Serie fungierte.

 

"Fast scheint es, als hätte Sandback – für einen Augenblick befreit von den Vorgaben der Architektur – in seinen Untersuchungen des malerischen Bildraums dieselben formalen Lösungen gefunden wie Barré."
 

Doch nichts beweist die Seelenverwandtschaft der beiden Künstler besser als Sandbacks späte Schnittreliefs – „ein Seitengässchen, das im Kreis führt“, wie er sagte. Sie ähneln Barrés Leinwandbildern der Siebzigerjahre oft auf geradezu gespenstische Weise. Fast scheint es, als hätte Sandback – für einen Augenblick befreit von den Vorgaben der Architektur – in seinen Untersuchungen des malerischen Bildraums dieselben formalen Lösungen gefunden wie Barré. Grund dafür ist vielleicht, dass beide gegenüber Regeln, Systemen und Motiven skeptisch eingestellt waren. Anstatt auf ihrer Verwendung zu beharren – wie es stärker konzeptuell orientierte KünstlerInnen getan hätten –, unterliefen Sandback und Barré die tautologische Starre des kartesischen Raums mit dem Potenzial und der Dynamik der Linie. Schließlich betonte Barré immer, dass er „Gesten liebe, die etwas von ihrer Virtualität behalten, auch wenn sie aufgezeichnet worden sind“. Sandbacks Fäden sind das perfekte skulpturale Gegenstück dieser Gesten. 

Yve-Alain Bois

 

Works by
Martin Barré
Fred Sandback
 

Yve-Alain Bois, geboren 1952 in Constantine (Algerien), lebt in Princeton, wo er als Professor an der School of Historical Studies am Institute for Advanced Study tätig ist.

 

 Exhibition View, Galerie Hubert Winter, curated by_Yve-Alain Bois, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

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