Galerie Steinek

 Exhibition View, Galerie Steinek, Die Malerei nach Bertrand Lavier, curated by_Caroline Smulders, 2013, Photo: Galerie Steinek

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curated by_Caroline Smulders

Galerie Steinek

 

Die Malerei nach Bertrand Lavier

Als ich von Silvia Steinek eingeladen wurde, mich für das Projekt Why Painting Now? mit dem Thema Malerei zu beschäftigen, erschien es mir offensichtlich, dass Bertrand Lavier die Frage nach der Bedeutung der Malerei in der heutigen Zeit auf äußerst komplexe, originelle, kreative und überraschende Art und Weise beantwortet hat. Ich danke ihm sehr, dass er diese Einladung angenommen hat, wodurch ich das Vergnügen habe, mich näher mit seinem Werk zu beschäftigen.

Seit etwa 30 Jahren bemalt Bertrand Lavier mit großzügigen Pinselstrichen Objekte jedweder Art – stets mit großem Respekt gegenüber ihrer ursprünglichen Farbigkeit. Gegenstände unterschiedlichster Größe – Radio, Bohrmaschine, Ventilator, Wecker, Kühlschrank, Schrank, Kotflügel, Spiegel oder Tischtennisplatte, bis hin zum Segelboot (Argo, das größte von ihm bemalte Objekt) – verbannt der Künstler in die Malerei.

Vom alltäglichsten bis zum wertvollsten Gegenstand – sie alle verlieren ihre ursprüngliche Funktion; so schreckt Lavier nicht davor zurück, ein Klavier der Marke Steinway & Sons als Motiv zu nutzen, es mit Farbe zu überziehen, sodass es selbst zu einem Gemälde wird.

 

"Er befreite sich von der goldenen Regel, die verlangt, dass ein Werk dem Wandel der Zeiten trotzt, und huldigte dabei dem Künstler, indem er das Objekt schließlich in eine Art Symbolfigur der Malerei, in ein dingliches Sinnbild des abstrakten Konzepts des Originals, verwandelte."
 

In meinen Augen erreichte Laviers künstlerische Methode ihren Höhepunkt, als er beschloss, direkt auf das Gemälde eines Zeitgenossen, François Morellet, zu malen. Als er sich dessen Werk zu eigen machte, indem er mit seiner berühmten Pinselführung „à la van Gogh“ die konzeptuelle und abstrakte Vorgehensweise des Originals in identischer Form nachvollzog, machte er das Bild unsichtbar und zugleich prachtvoller. Er befreite sich von der goldenen Regel, die verlangt, dass ein Werk dem Wandel der Zeiten trotzt, und huldigte dabei dem Künstler, indem er das Objekt schließlich in eine Art Symbolfigur der Malerei, in ein dingliches Sinnbild des abstrakten Konzepts des Originals, verwandelte.

Bei den in den Achtzigerjahren begonnenen Spiegelvariationen, die zu meinen liebsten Werken gehören, wird das Prinzip der malerischen Darstellung von Objekten aufgegeben. Lavier begnügt sich mit der Andeutung eines Spiegels und unterläuft damit dessen Funktion – eine vom Künstler auferlegte Beschränkung, weil der Spiegel nichts mehr spiegelt. Auch hier: Die Malerei „reflektiert“ sich selbst.

Mit den verschiedenen Arten des ausgefeilten, häufig widersprüchlichen Spiels, dem er seine Werke unterwirft, gelingt es Lavier, den reinen Konzeptgedanken zu überwinden und die Malerei auf die Ebene einer universellen Kunst zu erheben, die sämtliche übrige klassische Techniken umfasst: von der Bildhauerei über die Fotografie bis zu Videoprojektionen. Damit verleiht Lavier seiner Malerei alle Eigenschaften und den Zauber einer Musikpartitur, die die Klänge einer Opernarie ebenso bergen kann wie die eines Jazzstückes, einer Rocksequenz oder elektroakustischer Musik. Man verfällt in einen wahren Taumel, denn die Malerei dieses Künstlers vereint sämtliche moderne Spielarten, die bisher das Fundament waren, und entzieht sich ihnen zur gleichen Zeit: Hier haben wir es mit einem echten Lavier zu tun.

Caroline Smulders

 
Works by
Bertrand Lavier
 

Caroline Smulders lebt als freie Kuratorin in Paris.

 

 Exhibition View, Galerie Steinek, Die Malerei nach Bertrand Lavier, curated by_Caroline Smulders, 2013, Photo: Galerie Steinek

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 Exhibition View, Galerie Steinek, Die Malerei nach Bertrand Lavier, curated by_Caroline Smulders, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

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