Menetekel, die in die Welt von morgen hineinragen

Veit Loers ist einer der bedeutendsten Ausstellungsmacher im deutschsprachigen Raum. Seine  Karriere begann in den 1980ern. Er hatte den Posten des künstlerischen Direktors im Fridericianum in Kassel inne, war Direktor des Museum Abteiberg in Mönchengladbach, Kurator der Bundesrepublik Deutschland für die Sammlung zeitgenössischer Kunst und Leiter des Kunstraum Innsbruck. Loers lebt seit einigen Jahren als freier Autor und Kurator im italienischen Veneto.  Anlässlich der diesjährigen Ausgabe des Galerien-Kuratoren-Festivals curated by_vienna hat er in der Wiener Dependance der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman einen „Retro Store“ eingerichtet.
 Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien, Ausstellungsansicht  Retro Store . Rechts : Neïl Beloufa,  Souvenir 1 – circles,  2013. Links: Skulptur von Franz West. Foto: Michael Kofler.

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien, Ausstellungsansicht Retro Store. Rechts : Neïl Beloufa, Souvenir 1 – circles, 2013. Links: Skulptur von Franz West. Foto: Michael Kofler.


Sie seien ein großer Fan von Science Fiction sagten Sie in einem Interview im Vorfeld von curated by_vienna auf das diesjährige, vom Philosophen Armen Avanessian konzipierte Generalthema „Tomorrow Today“ hin befragt. Avanessians gleichnamiger Essay, der das Verhältnis von Kunst und Kapital aus einer möglichen Zukunftsperspektive zur Diskussion stellt, habe sie unmittelbar an den algerisch-französischen Künstler Neïl Beloufa denken lassen, von dem es in der Gruppenausstellung bei Thoman eine Installation zu sehen gibt. Was macht seine Arbeit im Kontext der diesjährigen Festivalthematik so spannend?

Es war eigentlich umgekehrt. Als die Galerie in Hinblick auf curated by_vienna auf mich zukam, fiel mir Beloufa ein, da mir die Idee des inhaltlichen und formalen Kontrastes gefiel, die diese junge Position in einer noblen Wiener Innenstadtgalerie erzeugen würde. Beloufa sollte eigentlich mehr im Zentrum der Ausstellung stehen. Nachdem er aber jetzt richtig Karriere macht, ist es schwer geworden, kurzfristige Projekte in größerem Umfang mit ihm zu realisieren. Dann erst las ich in Avanessians Text den darin enthaltenen Verweis auf den britischen Science-Fiction-Autor J. G. Ballard. Beloufa hat sich seit seinem Film „Kempinsky“ aus dem Jahr 2007 immer wieder mit Science Fiction beschäftigt. So etwa in seiner diesjährigen Ausstellung in der Galerie Zero in Mailand, die auf den apokalyptischen Roman „The Children of Men“ von P. D. James Bezug nimmt und in der die Installation zu sehen war, die nun auch Teil von „Retro Store“ ist. Darüber hinaus geht es in seiner Arbeit auch um den Kapitalismus, die Dritte Welt, um Glück und Verlockung und natürlich um unser Kunstsystem. 

    
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Anne Speier, How we arrange ourselvesbackground to the fore, 2014. Tintenstrahldruck, Aquarell, Stift, Kreide, Tinte, Aquarellpapier, Laserdruck, Fixiermittel, UV-Schutzlackierung, 150 x 304 cm. Ausstellungsansicht Retro Store, Foto: Michael Kofler.

„Today und Tomorrow führen immer wieder ins Yesterday, vor allem in Wien,“ schreiben Sie in Ihrem Begleittext zur Ausstellung. Welche Traditionslinien treten in der österreichischen Kunst Ihrer Meinung nach besonders stark hervor?

Weniger in der Kunst als im kulturellen Umfeld und seinen Ritualen. Das reicht von der Dopplerflasche, die schon ausgestorben ist, bis hin zu einer gewissen Décadence, die noch aus der k. und k. Zeit stammt. Das spürt man trotz aller Polemik auch im Œuvre von Franz West, dem ich – weil er jetzt so oft gezeigt wird – in der Ausstellung ein ganz privates Memorial als Freund zugedacht habe. Aber Science Fiction funktioniert ja auch nur im Einschluss traditioneller Momente, das ist das Salz in der Suppe. 

Das Wort Store im Ausstellungstitel „Retro Store“ weist die Galerie als Ort des Konsums aus, womit der Brückenschlag zum curated by-Thema, zu Kunst und Kapital, kurz und bündig formuliert wäre. Eine Galerie ist aber mehr als nur Handelszone. Das sehen Sie doch sicher auch so? 

In den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es diese Gut-/Böse-Qualifizierung. Auf der einen Seite die Händler und die Sammler, die nur 50 Prozent zahlen wollen, auf der anderen Seite die Produzentengalerien und die Gutmenschen in den Museen. Da schoben dann potente Galerien ihre KünstlerInnen in Großprojekte und namhafte Museen betrieben „Selbstjustiz durch Fehleinkäufe“ wie es Martin Kippenberger einmal so treffend formulierte. Aber alle haben ja ihre Funktion im System Bildende Kunst und das schon lange. „Retro Store“ ist eine kokette Rollenzuweisung im – um es mit Franz West zu sagen – „Autotheater“ der Exponate. 

 GalerieElisabeth & Klaus Thoman, Ausstellungsansicht  Retro Store  mit Arbeiten von Alexander Wolf. Foto Michael Kofler.

GalerieElisabeth & Klaus Thoman, Ausstellungsansicht Retro Store mit Arbeiten von Alexander Wolf. Foto Michael Kofler.

Das Werk des in Wien lebenden Alexander Wolf mag einigen BesucherInnen noch nicht bekannt sein. Wie andere Arbeiten in „Retro Store“ sind auch seine Beiträge nicht ohne Vergangenheitsbezug denkbar. Was können Sie über die von ihm gezeigten Kunstwerke sagen? 

Wolf ist ein obsessiver Konzeptualist. Sein Faible gilt dem alten Österreich. Dann entdeckt er die Bilderbuchautorin und -illustratorin Maria Grengg, tierlieb und Hitlerfanatikerin, die ihr Geburtsdatum dem des Führers angleicht. Rassenhygiene und Tierschutz sind das Amalgam aus deren Unverträglichkeit heraus der Künstler Baby-Epitaphe und Laubsägearbeiten entwirft, in denen eine unselige Vergangenheit niedlich verpackt wird.

Welchen Themen widmen Sie sich zurzeit abseits von curated by_vienna: Tomorrow Today?

In der Kunsthalle Düsseldorf läuft gerade die Ausstellung „Avatar und Atavismus“, die ich konzipiert habe. Der Avatar ist Lacans „zerstückelter Körper“. Es geht um die animistischen Kräfte in der Kunst der letzten 30 Jahre, die an die Oberfläche wollen: Köpfe, Torsi, Arme und so weiter. 

Veit Loers, Retro Store, curated by 2015, Galerie Thoman


Retro Store
curated by_ Veit Loers
KünstlerInnen: John M Armleder, Neïl Beloufa, Carmen Brucic, FORT (Jenny Kropp & Alberta Niemann), Maria Grengg, Michael Kienzer, Rudolf Polanszky, Anne Speier, Franz West, Alexander Wolf
Ausstellungsdauer: 11.09.–07.11.2015
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Seilerstätte 7, 1010 Wien
Mehr unter www.galeriethoman.com


Lesen Sie den Text von Armen Avanessian, der den an curated by_vienna: Tomorrow Today beteiligten KuratorInnen und Galerien als Ausgangspunkt diente.    

curated by_vienna wird organisatorisch und finanziell von der Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure unterstützt.