Wort und Bild

Die vom Kunstsammler Harald Falckenberg kuratierte Ausstellung „Verkauf in Nebenräumen“ bei Krinzinger Projekte ist der „aussterbenden Spezies“ des Labels gewidmet. Statt der Kunstwerke ohne Label, gibt es daher Labels ohne Kunstwerke zu sehen.
    
 
       
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Krinzinger Projekte, Ausstellungsansicht, Verkauf in Nebenräumen, 2015. Foto: Jasha Greenberg.


Beim Eintreten in die Räume der Krinzinger Projekte fühlt man sich spontan an eine Ausstellung erinnert, die der Künstler Yves Klein 1958 – am Abend seines 30sten Geburtstags – in der Pariser Galerie Iris Clert eröffnete. Ihr Titel lautete „Le Vide“, die Leere, und der winzige Raum in der Rue des Beaux-Arts war – bis auf eine Glasvitrine – tatsächlich leer. Unverschämte 1500 Francs soll der Eintritt in die Ausstellung gekostet haben, drei Minuten lang durften die Gäste das Nichts erleben, bevor sie wieder nach draußen gewiesen wurden. Wollte Yves Klein mit dieser Aktion die Mechanismen der Kunstszene persiflieren? Wohl kaum. Vielmehr ging es ihm darum, die Besucher dazu anzuregen, als Produzenten und Konsumenten von Kunst und Leben zu agieren. „Le Vide“ hätte ohne Publikum nicht funktioniert. Wie denn auch? Es hätte niemanden gegeben, der die Leere hätte füllen und bezeugen können.

Marina Abramovic, Kader Attia, Gottfried Bechtold, Joseph Beuys, Joseph Kosuth, Paul McCarthy, Jonathan Meese, Andy Warhol. Das sind nur einige der Namen, die nun auf der prominent besetzten Künstlerliste jener Ausstellung zu lesen sind, die der Kunstsammler Harald Falckenberg im Rahmen der diesjährigen Ausgabe von curated by_vienna für die Krinzinger Projekte kuratiert hat. Anstelle der Kunstwerke bekommen wir allerdings fein säuberlich an die Wand fixierte Etiketten zu sehen, die das Kunstwerk bestenfalls imaginieren lassen: „Chris Burden, Big Pointy, 2006, colour polaroid, 51 x 61 cm“ ist etwa auf einem Schild zu lesen. „Verkauf in Nebenräumen“ titelt die Ausstellung. Bei Interesse kann man sich in ebensolchen von den Mitarbeitern der Galerie einzelne Werke ausheben lassen, detaillierte Erläuterungen inklusive. Denn eine Galerie ist schließlich nicht nur Verkaufszone, sondern auch Ort der Vermittlung und der Kommunikation. So fügt sich dieses Ausstellungskonzept gut in die vom Philosophen Armen Avanessian für curated by_vienna 2015 geschriebene Theorie ein, die das Verhältnis von Kunst und Kapital kritisch hinterfragt.

 Krinzinger Projekte, Ausstellungsansicht,  Verkauf in Nebenräumen,  2015. Foto: Jasha Greenberg.

Krinzinger Projekte, Ausstellungsansicht, Verkauf in Nebenräumen, 2015. Foto: Jasha Greenberg.

Will Harald Falckenberg mit diesem Ausstellungskonzept die Mechanismen der Kunstszene persiflieren? Vielleicht ein wenig. Vor allem aber geht es ihm darum, der Notwendigkeit erläuternder Etiketten, die man in Ausstellungen nur allzu oft vermisst, Ausdruck zu verleihen. Denn spätestens seit Brian O’Dohertys theoretischer Abhandlung zum White Cube aus dem Jahr 1976 soll bekanntlich nichts die reine Kunst und deren edle Präsentation stören.

Beim Verlassen der Ausstellung bleibt das Auge noch an einem Label haften, das zu einer Arbeit gehört, die im Zusammenhang von Kunst und Kapital besonders treffend scheint: „Gavin Turk, Heads!, 2002, bronze overpainted, 49 cm Durchmesser, 3 cm hoch.“ Vor dem geistigen Auge erscheint eine überdimensionierte Penny-Münze, die das Konterfei von Queen Elisabeth II. zeigt. 

À propos Gavin Turk: Bis 31. Oktober zeigt die Galerie Krinzinger in ihren Haupträumlichkeiten in der Seilerstätte unter dem Titel „A Vision“ jüngst entstandene Arbeiten des Künstlers. Die Ausstellung ist mit Bezug auf Größen wie Klimt, Schiele, Loos, Schönberg und Wittgenstein entstanden und „aus dem Geist der Wertschätzung des Werkes und der Gedanken von Joseph Kosuth“. (Pressetext)


Verkauf in Nebenräumen
curated by_ Harald Falckenberg
KünstlerInnen: Marina Abramovic, Nader Ahriman, Kader Attia, Gottfried Bechtold, Joseph Beuys, Chris Burden, István Csákány, Christian Eisenberger, Pravdoliub Ivanov, Martha Jungwirth, Vikenti Komitski, Zenita Komad, Joseph Kosuth, Maha Malluh, Paul McCarthy, Jonathan Meese, Otto Muehl, Albert Oehlen, Werner Reiterer, Eva Schlegel, Sudarshan Shetty, Daniel Spoerri, Janos Sugar, Gavin Turk
Ausstellungsdauer: 11.09.–17.10.2015
Krinzinger Projekte, Schottenfeldgasse 45, 1070 Wien
Mehr unter www.galerie-krinzinger.at

Gavin Turk – A Vision
Ausstellungsdauer: 17.09.–31.10.2015
Galerie Krinzinger, Seilerstätte 16, 1010 Wien
Mehr unter www.galerie-krinzinger.at