Curated by_Abigail Solomon-Godeau

Galerie Hubert Winter

 Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Mitchell Anderson, Anne Lindberg, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Mitchell Anderson, Anne Lindberg, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

Sleepless Nights
Schlaflose Nächte, auch jene von schlafgestörten Menschen, können singulär, von den Umständen beeinflusst, periodisch oder auch chronisch auftreten. Wie Schmerz oder Lust kann man seine eigene Schlaflosigkeit subjektiv beobachten und beschreiben, nicht jedoch objektiv jene von anderen Menschen. Diese grundsätzliche Unkommunizierbarkeit macht die Schlaflosigkeit zu einer permanenten Herausforderung für die Kunst.

Wie auch immer sich die Schlaflosigkeit im Einzelnen äußert, ihre körperlichen Auswirkungen sind seit Langem Thema prosaischer, lyrischer und bildlicher Analysen. Anders als die KünstlerInnen der Romantik oder des Surrealismus, die Traummechanismen untersuchten, um neue literarische oder künstlerische Ausdrucksformen zu finden, nähern sich die KünstlerInnen der Ausstellung Sleepless Nights dem Thema von einem bewusst sachlichen, bisweilen sogar physischen Blickwinkel an.

"Angesichts der postmodernen Diagnose einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, legen sie Zeugnis ab vom dystopischen Zustand, in dem nicht einmal mehr der Traum Zuflucht vor der düsteren Realität gewährt."

Während zahlreiche zeitgenössische KünstlerInnen den Schlaf als Sujet herangezogen haben (man denke an die Institutional Dream Series von Laurie Anderson aus dem Jahr 1972 oder Sophie Calles Les Dormeuses von 1979), wurde auch die Schlaflosigkeit Thema künstlerischer Auseinandersetzung. Jeff Wall beispielsweise schuf 1994 die Leuchtbox Insomnia, Sally Potter 2012 das Video Passion, Obsession and Insomnia. Wenn der Schlaf die Norm – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – repräsentiert, so ist die Schlaflosigkeit normalerweise ein Zustand der Unruhe, der Störung, der Angst, bisweilen sogar der Panik. Wie man weiß, ist der Schlafentzug eine der ältesten Foltermethoden, vor der bekanntlich auch die Vereinigten Staaten im irakischen Gefängnis Abu Ghuraib nicht zurückschreckten. Die KünstlerInnen der Ausstellung Sleepless Nights untersuchen kollektiv in verschiedenen Medien – Performance, Video, Film und Multimediainstallation – die andere Seite des Träumens, die andere Seite des Schlafs. Angesichts der postmodernen Diagnose einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, legen sie Zeugnis ab vom dystopischen Zustand, in dem nicht einmal mehr der Traum Zuflucht vor der düsteren Realität gewährt.

Abigail Solomon-Godeau


Works by
Mitchell Anderson
Joseph Pitruzzello
Daniel Eisenberg
Juan José Herrera
Thomas Israël
Birgit Jürgenssen
Anne Lindberg
Julian Palacz
Sally Potter
Eric Vernhes
u.a.

Abigail Solomon-Godeau lebt als Kunsthistorikerin in Paris. Ihre Essays über Fotografie, Kunstgeschichte, zeitgenössische Kunst und Feminismus sind weitgehend in Anthologien zu finden.

 

 Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Mitchell Anderson, Anne Lindberg, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Mitchell Anderson, Anne Lindberg, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

 Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Eric Vernhes, Juan José Herrera, Mitchell Anderson, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Eric Vernhes, Juan José Herrera, Mitchell Anderson, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

 Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Julian Palacz, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Julian Palacz, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

 Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Eric Vernhes, Juan José Herrera, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter

Sleepless Nights curated by_Abigail Solomon-Godeau, Exhibition View, Eric Vernhes, Juan José Herrera, 2014, Photo: Galerie Hubert Winter