Curated by_Antony Hudek

Krinzinger Projekte

 Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

 Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Cover-Up
Cover-Up soll drei Zusammenhänge kenntlich machen, die die Malerei als Medium zu kaschieren trachtet: ihren Zusammenhang mit dem Wert, mit der Subjektivität und mit der Abstraktion. Der Mythos der Malerei fußt darauf, wie diese Zusammenhänge gestaltet und damit als Problem zum Verschwinden gebracht werden. Je mehr ein Gemälde sein Verhältnis zu diesen drei Faktoren thematisiert, desto weniger affirmiert es das Klischee der Autonomie der Malerei, ihr Privileg als kreatives Ausdrucksmittel und ihre vermeintliche Transzendenz. Sämtliche ausgestellten Werke – die meisten, aber nicht alle sind Malereien – fragen: „Warum Malerei heute?“, wo diese Gattung mit so anspruchsvollen Spielchen ihre Beziehung zum Wert, zur Subjektivität und zur Abstraktion zu verdecken sucht. Damit die Malerei indes als zeit- und interesseloser Ausdrucks individueller Fantasie erscheint, zielt sie notgedrungen auf ein unerreichbares Gleichgewicht zwischen der Leugnung und dem Eingeständnis ihrer intrinsischen Abhängigkeit vom Kapital – ihrer berühmten „goldenen Nabelschnur“, wie Clement Greenberg es nannte. Diese Nabelschnur zu durchtrennen ist so unmöglich wie mit einer Hand zu klatschen. Egal, wie überzeugend das Cover-Up dieser Tatsache erscheinen mag, die Malerei bleibt immer in einem Netz aus Wertungen verfangen, vom Blick des Malers oder der Malerin selbst bis zum Gespür des Sammlers oder der Sammlerin.

"Das ultimative Cover-Up aber ist und bleibt die Abstraktion, die ihrerseits eng mit Wert und Subjektivität zusammenhängt."

So wie mit ihrem Zusammenhang mit dem Wert muss die Malerei auch mit ihrer Beziehung zur Subjektivität irgendwie umgehen. Um das Primat und die Unmittelbarkeit des Subjekts unantastbar zu machen, muss sie jede Prothese zwischen Werk und Mensch, muss sie Pinselstrich, Titel, Rahmen, Galerie usw. kaschieren. Viele KünstlerInnen haben gerade dieses Kaschieren zum Thema eines Kunstwerks gemacht, zum Beispiel Velázquez in seinen Las Meninas oder Duchamp mit dem Großen Glas. Doch selbst diese Offenlegungen des Cover-Up halten dem Druck des Mythos, dass die Malerei ein Ausdruck des Subjekts sei, nicht stand.

Das ultimative Cover-Up aber ist und bleibt die Abstraktion, die ihrerseits eng mit Wert und Subjektivität zusammenhängt. Egal, wie „ungegenständlich“ ein Gemälde ist, seine Abstraktion tritt immer hinter die objektive Tatsache seiner Materialität zurück (selbst wenn diese objektive Tatsache eine Idee sein sollte). Maria Lind hat dargelegt, dass sich die Abstraktion gut eignet, um vor ihrem Hintergrund die Kunstgeschichten des 20. Jahrhunderts neu zu bewerten. Als Medium, das abstrahiert, um seine eigene Transzendenz zu beweisen, nimmt die Malerei in diesen Geschichten einen herausragenden Platz ein. Wenn die Abstraktion ein Prozess und kein Zustand ist, könnte nämlich die Malerei die dynamischste aller Künste sein, die permanent etwas kaschiert, ob nun die rohe Leinwand oder einen aufgelegten Schwindel.

Der Titel Cover-Up bezieht sich nicht nur auf die Frage „Warum Malerei heute?“, sondern auch auf die langfristige Reihe Curators Collectors Collaborations der Galerie Krinzinger. Mit CCC regt die Galerie einen Dialog zwischen KuratorInnen und SammlerInnen an, der es den einen ermöglicht, Kunstwerke zu entdecken, die sich sonst hinter verschlossenen Türen befinden, und den anderen, ihre Kunstwerke prüfenden Blicken auszusetzen. Als erste Ausstellung der Reihe zeigt Cover-Up Arbeiten aus privaten Sammlungen in Wien und Umgebung, die gekonnt durch Werke ergänzt werden, die als Schnittstelle zu diesen Sammlerstücken fungieren können.

Antony Hudek


Works by
Marc Adria
Irene Andessner
Eleanor Antin
Siegfried Anzinger
Hans Bischoffshausen
Erwin Bohatsch
Peggy Buth
Merlin Carpenter
Plamen Dejanoff
Heinrich Dunst
Thomas Feuerstein
Olivier Foulon
Inci Furni
Gilbert & George
Joachim Grommek
Georg Herold
Franz Hubmann
Martha Jungwirth
Tillman Kaiser
Brigitte Kowanz
Angelika Krinzinger
Elke Krystufek
John Latham
Thomas Locher
William Mackrell
Jonathan Meese
John Murphy
Albert Oehlen
Bernard Piffaretti
Rudolf Polanszky
Arnulf Rainer
Franz Ringel
Marianne Sayn-Wittgenstein
Erik Schmidt
Allison Schulnik
Lucie Stahl
Elaine Sturtevant
Wolfgang Walkensteiner
Franz West

Antony Hudek, geboren 1976 in Genf, lebt in Liverpool, wo er als Forschungskurator an der Tate Liverpool und als Senior Lecturer an der Liverpool John Moores University tätig ist.

 Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

 Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

 Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

 Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte

Exhibition View, Krinzinger Projekte, Cover-Up, curated by_Antony Hudek, 2013, Photo: Krinzinger Projekte