Curated by_Barnabás Bencsik

Georg Kargl Fine Arts

 Vermeir & Heiremans,  Masquerade , 2015, Video Installation, Poto: Michael De Lausnay

Vermeir & Heiremans, Masquerade, 2015, Video Installation, Poto: Michael De Lausnay

Subtle Patterns of Capital
In den letzten Jahrzehnten ist die Gegenwartskunst als weltweite Industrie allgegenwärtig geworden. Sie richtet sich nach den komplizierten Regeln und Gesetzen, die die Akteurinnen und Akteure der Szene in einem stark hierarchischen Netzwerk repräsentieren. Die permanent wachsende Nachfrage durch Sammler, Galerien und Institutionen, die entgegen der öden Krisenrhetorik den Kunstmarkt konstant überhitzt hält, bietet ein verlockendes Umfeld für spekulative und innovative Investoren. Die Künstler und Künstlerinnen an der Spitze der Nahrungskette des globalen Kunstmarkts sind Teil der halbtransparenten, ja bisweilen gänzlich undurchsichtigen Dynamik dieses weltweiten Wettbewerbs. Die meisten von ihnen suchen daher nach der richtigen Strategie, ihre künstlerische Position und kritische Distanz beibehalten zu können.

Die Ausstellung soll die komplexen Beziehungen zwischen der zeitgenössischen Kunstproduktion und den Playern auf dem internationalen Kunstmarkt verdeutlichen. Die Verwertungslogik des Kunstbetriebs hat sich die erfolgreichsten Strategien und Taktiken aus den Geschäftsmodellen der Anlageverwaltung und des Finanzsektors einverleibt. Das gesamte System befindet sich in einem Wandlungsprozess, der auf Nachfrage und Anforderungen eines zunehmend globalen Markts reagiert. Die Prinzipien des neoliberalen freien Markts haben die kritische Position des Künstlers assimiliert. Künstlerinnen und Künstler werden immer wichtiger, zugleich jedoch verliert das ideologische Vokabular, mit dem sie unsere kontroverse Realität beschreiben, immer mehr an Relevanz. Die Machtstrukturen der politischen, kulturellen und geschäftlichen Eliten verzahnen sich immer mehr.

„Man geht gemeinhin davon aus, dass Geld den Wert dessen bestimmt, was gesehen wird, nämlich den Wert des Gegenstands. Was indes wirklich gekauft wird, ist das, was man nicht sieht, nämlich die potentiellen Nachwirkungen des Gegenstands in den – vor allem äußerst komplizierten und unbewussten – Wahrnehmungen, subjektiven Entscheidungen und Verhaltensweisen von Millionen Menschen. Die kreative Finanzwirtschaft von heute erzeugt Geld aus Nichts. Im Fall der Kunst macht es Geld möglich, auch das Unsichtbare zu kaufen.“

Im Bereich der Kultur spielt die zeitgenössische Kunst offensichtlich eine wichtigere Rolle als je zuvor. Ihre symbolische Macht zeigt sich nicht nur an den exorbitanten Preisen, die regelmäßig auf internationalen Auktionen erzielt werden, sondern auch an der zunehmenden Beliebtheit von Großausstellungen, Biennalen und Festivals. Das wirtschaftliche Potential der Kunst zieht viel Investitionskapital an. Da jedoch Kunstwerke auch einen symbolischen Wert besitzen, wird ihre Bewertung und ihr Preis nicht nur weiterhin Gesprächsstoff bieten, sondern auch dem Spekulationsverdacht ausgesetzt sein.

Der bekannte Kulturökonom Pier Luigi Sacco schreibt dazu: „Man geht gemeinhin davon aus, dass Geld den Wert dessen bestimmt, was gesehen wird, nämlich den Wert des Gegenstands. Was indes wirklich gekauft wird, ist das, was man nicht sieht, nämlich die potentiellen Nachwirkungen des Gegenstands in den – vor allem äußerst komplizierten und unbewussten – Wahrnehmungen, subjektiven Entscheidungen und Verhaltensweisen von Millionen Menschen. Die kreative Finanzwirtschaft von heute erzeugt Geld aus Nichts. Im Fall der Kunst macht es Geld möglich, auch das Unsichtbare zu kaufen.“ Die Ausstellung vereint künstlerische Positionen, die unterschiedliche Zugänge zu und Verflechtungsebenen zwischen Kunst und Ökonomie darstellen. Im Besonderen werden folgende Parameter untersucht: künstlerische Kreativität und ihre Ausbeutung, spekulative Charakteristika des globalen Kunstmarktes, die Virtualisierung von Objekten und der Wirtschaft im Ganzen einschließlich von Kunstwerken, die kritische Hinterfragung des Beurteilungssystems und die Funktion von Kunst als Asset in der neoliberalen Marktwirtschaft.

Barnabás Bencsik


Works by
Ryan Gander
Ferenc Gróf
Nicolas Jasmin
Antal Lakner
Little Warsaw (András Gálik & Bálint Havas)
Thomas Locher
Falke Pisano
Julien Previeux
Sociéte Réaliste
Vermeir & Heiremans
Stephen Willats

Barnabás Bencsik (* 1964) lebt und arbeitet als Kurator in Budapest. 

 Nicolas Jasmin,  Untitled (NEW/INSIDE) , 2013, Track List Painting, aus der Werkgruppe für einen Investmentbanker, Mischtechnik auf Jute, 33 x 21 cm, Courtesy: der Künstler

Nicolas Jasmin, Untitled (NEW/INSIDE), 2013, Track List Painting, aus der Werkgruppe für einen Investmentbanker, Mischtechnik auf Jute, 33 x 21 cm, Courtesy: der Künstler

 Ryan Gander,  A lamp made by the artist for his wife (Forty eighth attempt) , 2014, Alltagsgegenstände und –materialien, 10 x 75 x 44 cm, Courtesy: der Künstler & Annet Gelink Gallery, Amsterdam

Ryan Gander, A lamp made by the artist for his wife (Forty eighth attempt), 2014, Alltagsgegenstände und –materialien, 10 x 75 x 44 cm, Courtesy: der Künstler & Annet Gelink Gallery, Amsterdam

 Antal Lakner,  INERS First Life – SCROLL MASTER , 2015, Prototyptest durch Benutzer, Budapest, Courtesy: der Künstler

Antal Lakner, INERS First Life – SCROLL MASTER, 2015, Prototyptest durch Benutzer, Budapest, Courtesy: der Künstler