Curated by_Franklin Melendez

Galerie Andreas Huber

 Exhibition View, Galerie Andreas Huber, Dress rehearsal, curated by_Franklin Melendez, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

Exhibition View, Galerie Andreas Huber, Dress rehearsal, curated by_Franklin Melendez, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

Dress rehearsal
Die lange Probenzeit eines Theaterstücks kulminiert in einer letzten Probe vor der Premiere. Sie wird gemeinhin „Generalprobe“ oder auf Englisch „dress rehearsal“ genannt, umfasst sie doch alles, was im Theater dazugehört – Kostüme, Requisiten, ja sogar technische Spezialeffekte. Nur das Publikum fehlt. Das Bühnengeschehen bekommt dadurch eine merkwürdige Anmutung, die zwischen dem vollen Einsatz einer echten Aufführung und dem distanziert-kritischen Blick schwankt, der das Geschehen permanent bewertet (und manchmal auch stört).

Etwas von diesem Zwittercharakter haben auch die in der Ausstellung gezeigten Werke. Technisch gesehen ist keines von ihnen ein Gemälde und sie entstanden auch nicht mit dem Anspruch, unter die Rubrik „Malerei“ zu fallen. Dennoch kann man sagen, dass sie sich Kostüme, die historisch zu diesem Genre gehören, ausborgen und anlegen. Es handelt sich um eine Art formale Pantomime. Sie zeigt sich zum Beispiel in Liam Everetts zu angedeuteten Abstraktionen umgearbeiteten Stoffen (die mit ätzenden Flüssigkeiten behandelt wurden) oder in der enigmatischen Materialität der poetischen Wandreliefs von N. Dash. Dashiell Manleys zweiseitige Bildtafeln wiederum haben etwas Gestisches, obgleich diese schnell als zwangsläufiges Resultat eines proto-filmischen Ereignisses gelesen werden können.

"Sie sprechen von einer seltsamen und dennoch bestechenden Poesie, deren Gesten einem Publikum gelten, das noch gar nicht da ist."

So gesehen müsste man die ausgestellten Arbeiten genauer als „malerische Requisiten“ bezeichnen. Sie evozieren und inszenieren historische Idiome, um damit neue visuelle Formen zu erproben und aufzuführen. Vielleicht ist das ja die Art, wie die jüngere KünstlerInnengeneration durch die Malerei und nicht über die Malerei nachdenkt. Die Erbmasse der Malerei wird so lange bearbeitet, bis sie als solche unkenntlich ist.

1967 verhöhnte Michael Fried die minimalistische Bewegung wegen ihrer Abhängigkeit vom Publikum. „Sie existiert überhaupt nur dafür“, bemerkte er – ein Gräuel für das modernistische Projekt. Doch vielleicht liegt darin ja ein Körnchen Wahrheit, denn der formale Solipsismus kann nur vermieden werden, wenn er als eine Reihe von einstudierten Gesten gezeigt wird. So betrachtet sind jene Werke in der Ausstellung die besten, die ihre eigene Performativität, ihre Durchsichtigkeit und Unvollkommenheit bewusst hervorkehren.

Sie sprechen von einer seltsamen und dennoch bestechenden Poesie, deren Gesten einem Publikum gelten, das noch gar nicht da ist.

Franklin Melendez


Works by
N. Dash
Liam Everett
Dashiell Manley

Franklin Melendez lebt als Autor und freier Kurator in New York.

 

 Exhibition View, Galerie Andreas Huber, Dress rehearsal, curated by_Franklin Melendez, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

Exhibition View, Galerie Andreas Huber, Dress rehearsal, curated by_Franklin Melendez, 2013, Photo: Klaus Vyhnalek

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