Curated by_Friederike Nymphius

Krobath Wien

 Exhibition View, Notes on Sculpture. A plea for deceleration, 2015, Galerie Krobath, Photo: Rudolf Strobl

Exhibition View, Notes on Sculpture. A plea for deceleration, 2015, Galerie Krobath, Photo: Rudolf Strobl

 Exhibition View, Notes on Sculpture. A plea for deceleration, 2015, Galerie Krobath, Photo: Rudolf Strobl

Exhibition View, Notes on Sculpture. A plea for deceleration, 2015, Galerie Krobath, Photo: Rudolf Strobl

Notes on Sculpture
A plea for deceleration
In den 1966 publizierten „Notes on Sculpture“ verwies Robert Morris auf die Bedeutung von Autonomie und Gestalt in der zeitgenössischen Bildhauerei. Er propagierte eine Skulptur, welche die Form zu ihrem Thema werden ließ und jegliches malerische Element wie Farbe eliminierte.
Daneben setzte sich Morris mit den Bedingungen der Wahrnehmung auseinander. Dabei stützte er sich auf eine Publikation des französischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty mit dem Titel „Phenomenology of Perception“, die damals unter den Minimalisten Furore machte. Nach Merleau-Ponty ist die Realität nicht absolut, sondern hängt von unterschiedlichen, auch zufälligen Faktoren der Wahrnehmung ab, die sich ständig verändern.

Bis heute haben die von Robert Morris entwickelten Ideen für eine jüngere internationale Künstlergeneration nichts an Aktualität verloren. Der Fokus hat sich vom Objekt auf das Subjekt, von der Wahrnehmung der Form auf die Wahrnehmung des Menschen in der Gesellschaft verschoben. Mit der ausgeprägten physischen Präsenz ihrer Skulpturen entgegnen sie der Flüchtigkeit und Hektik des modernen Lebens.

Die Werke von Martin Boyce, Martin Creed, Dominik Lang, Monika Sosnowska, Katja Strunz und Tatiana Trouvé sind in der Gegenwart verankert. Die radikale Machart und sperrige Materialität ihrer Werke nimmt ihnen jeglichen ‘spielerischen’ Charakter und schafft Situationen, die mit physischer-psychischer Konfrontation bzw. totaler Verweigerung umschrieben werden müssen. Ihre Arbeiten entziehen sich dem raschen Konsum und den oberflächlichen Verwertungsmechanismen des immer kommerzieller agierenden Kunstmarkts. Auf die rasante Beschleunigung der industriellen Gesellschaft antworten sie mit Entschleunigung sowie mit der Auslotung der „conditio humana“. Die Verlangsamung gerät so zu einem wesentlichen Instrument auf der Suche nach einem dem Menschen angemessenen Tempo im Umgang mit sich selbst und der sich ständig beschleunigenden Welt.

Friederike Nymphius


Works by
Martin Boyce
Martin Creed
Dominik Lang
Monika Sosnowska
Katja Strunz
Tatiana Trouvé

Friederike Nymphius (*1968/DE) lebt als freie Kuratorin, Autorin und Sammlungsbeauftragte von internationalen Privatsammlungen in Berlin.

 Exhibition View, Notes on Sculpture. A plea for deceleration, 2015, Galerie Krobath, Photo: Rudolf Strobl

Exhibition View, Notes on Sculpture. A plea for deceleration, 2015, Galerie Krobath, Photo: Rudolf Strobl