Curated by_Karel Cisar

Krobath Wien

 Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Cisar, 2012, Photo: Lisa Rastl

Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Cisar, 2012, Photo: Lisa Rastl

 Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Cisar, 2012, Photo: Lisa Rastl

Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Cisar, 2012, Photo: Lisa Rastl


Auf den ersten Blick könnte man die Arbeit des jungen tschechischen Künstlers Dominik Lang als Intervention in Ausstellungsräumen und, metaphorisch, in der Zeitdimension der Kunstgeschichte verstehen. Doch das wahre Ziel Langs ist zu untersuchen, wie die Sichtbarkeit von Kunst verteilt ist. Seine Kunstwerke greifen entweder in die Raumarchitektur ein, in die neue Bauteile eingefügt werden, oder sie präsentieren eine strategische Deutung der Kunstgeschichte. So verhält es sich zum Bei- spiel bei jenen Arbeiten, bei denen Lang die Werke anderer Künstlerinnen und Künstler oder deren Rekonstruktionen in die Ausstellung einbezieht. Damit will er indes nicht – wie die Proponentinnen und Proponenten der Institutionskritik – bloß die verdeckten Mechanismen des Kunstbetriebs bloßlegen oder – wie beim so genannten „archival turn“ – eine unabgeschlossene Vergangenheit in die Gegenwart transferieren. Langs Hauptintention ist stattdessen, einen bestimmten Kontext zu schaffen, in dem die Aufmerksamkeit des Publikums angeregt wird, um die räumliche, historische und institutionelle Konditionierung all dessen sichtbar zu machen, was sie faktisch wahrnehmen können.

 "Das bloße Leben, das hier ausgestellt wird, ist nicht nur jenes der Skulpturen, sondern auch unser eigenes."

Am deutlichsten kommt diese Intention wohl in der Installation The Sleeping City für den tschechisch-slowakischen Pavillon auf der 54. Biennale in Venedig 2011 zum Aus- druck. Dort zeigte Lang eine radikale Interpretation der spätmodernistischen Skulpturen seines Vaters Jiří Lang (1927–1996). Das Ziel war dabei weder die schiere Präsentation der abstrakt angehauchten figurativen Plastiken der kommunistischen 1950er-Jahre, noch die Rekonstruktion des musealen Settings, in dem sie damals ausgestellt wurden. Vielmehr sollte sich das Publikum die Frage stellen, welche Umstände die Sichtbarkeit von Kunst überhaupt gewährleisten. Was sind die Gründe dafür, dass manche Kunst in Vergessenheit gerät? Was wird, weiter gefragt, mit der so aufdringlichen Kunst von heute in 50 Jahren passieren? 

Mit The Sleeping City lenkt Lang mithin – auf Grundlage einer großen Sammlung von Skulpturen seines Vaters – die Aufmerksamkeit auf das Nachleben der Kunst allgemein. In The Lovers, seinem neuesten Projekt, verwendet er mehrere Varianten des Liebespaarsujets, um damit das bloße Leben darzustellen. Während die BetrachterInnen der Beobachtung der nackten Körper und Gesichter der Skulpturen, die sich mit einem Verzicht auf ihre Individualität abgefunden haben und in einer Umarmung oder einem Kuss verschmelzen, überlassen werden, lässt Lang die BetrachterInnen gleichzeitig durch zwei gebogene Paneele beobachten. Diese architektonische Ordnung dient nicht nur als Präsentationsfläche der Skulpturen, sondern organisiert darüber hinaus den Galerieraum. Obwohl die geschwungenen Holzwände einen privaten Raum zur Beobachtung intimer Szenen zu erzeugen scheinen, kann man dennoch jeder Zeit durch einen Neuankömmling überrascht werden. Das bloße Leben, das hier ausgestellt wird, ist nicht nur jenes der Skulpturen, sondern auch unser eigenes. 

Karel Císar


Works by
Dominik Lang

Karel Císar currently lectures on the history of modern and contemporary art at the Academy of Arts, Architecture and Design in Prague. He also works at the Institute of Philosophy at the Czech Academy of Sciences. 

 Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Císař, 2012, Photo: Lisa Rastl

Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Císař, 2012, Photo: Lisa Rastl

 Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Císař, 2012, Photo: Lisa Rastl

Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Císař, 2012, Photo: Lisa Rastl

 Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Císař, 2012, Photo: Lisa Rastl

Exhibition View, Krobath Wien, The Lovers, curated by_Karel Císař, 2012, Photo: Lisa Rastl