Curated by_Will Fowler

Georg Kargl Fine Arts

 Exhibition View, Georg Kargl Fine Arts, Additive Abstraktion, curated by_Will Fowler, 2013, Photo: Georg Kargl Fine Arts

Exhibition View, Georg Kargl Fine Arts, Additive Abstraktion, curated by_Will Fowler, 2013, Photo: Georg Kargl Fine Arts

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Additive Abstraktion
Die ungegenständliche Malerei war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts großteils von einem reduktiven Programm geprägt, das laut einigen ihrer KritikerInnen durch diese Reduktion zu großer Reinheit führen sollte, um in einem entgegenständlichten und entmaterialisierten Bild zu kulminieren. Diese Malerei wurde innerhalb eines fortschreitenden Szenarios gesehen, das notwendigerweise einen Endpunkt erreichen musste. Obwohl eine solche Konzeption von Abstraktion fragwürdig ist, weil sie zum einen nicht das einzige Leitmotiv der damaligen Malerei darstellt und zum anderen in ihrem eindimensionalen Fortschrittsgedanken auch in sich nicht wirklich schlüssig ist, soll sie Ausgangspunkt für die Frage nach gegenwärtigen ungegenständlichen Malereipositionen sein.

Was kann nach dem letzten abstrakten Bild noch passieren? Die monochrome Leinwand ist ja nicht weiter reduzierbar. Die Problematik wurde aber nicht einfach beiseitegelegt, sondern in verschiedenen Spielarten weiterbetrieben. Das figurative Abbild war in der Zwischenzeit durch mediale Vervielfältigungs- und Verfremdungstechniken auf einer Ebene angelangt, wo es selbst als Abstraktion gelesen werden konnte, da es sich in seiner unendlich erscheinenden Wiederholbarkeit aufzulösen schien – Warhol und sein Verhältnis zum abstrakten Expressionismus ist hier ein Paradebeispiel, aber auch Richters Bild einer normierten Farbpalette. Mit der Entmaterialisierung hatte es vielleicht auch nicht so ganz geklappt, sodass sich die minimalistische Malerei zwar einer modernen abstrakten Formensprache bedient, gleichzeitig Farbe und Keilrahmen aber wieder ins Bild zurückholen konnte.

Konzeptkunst, ursprünglich als Antimalerei erdacht, konnte ins gemalte Bild Eingang finden, etwa durch die formalen Parallelitäten von Buchstaben und abstrakter Form. Auch die Installationskunst hat gewissermaßen am Bild angedockt und es so mit der Skulptur und ihrer Materialität verbunden. Ein anderer Aspekt betrifft die Formen der modernen Abstraktion: Diese sind im Laufe der Jahre ja selbst schon Teil der uns umgebenden Welt geworden, über Architektur und Gebrauchsdesign wurden sie Gegenstände und sogar Teile von Landschaften. Wenn sie wieder ins Bild zurückkehren, bekommen sie so eine andere Bedeutung, ihre Ungegenständlichkeit entspricht vielleicht gar nicht der Wahrheit. 

"Es war die moderne Abstraktion, die ein reduziertes und klares Vokabular entwickelt hat, das Ausgangspunkt für neue Untersuchungen sein kann, Untersuchungen, in denen außermalerische Aspekte hinzugefügt werden."

Das altbackene Bild der Malerei vermittelt immer wieder, dass sie (vielleicht gemeinsam mit der Skulptur) im Zentrum alles künstlerischen Schaffens steht, dass alles andere auf oder gegen sie gebaut ist. So wird sie immer wieder zur Nostalgieinsel, die sich gegen alles, was sich in der Moderne – oder davor – entwickelt hat, abschirmt. Der Weg in die Vergangenheit erfreut vielleicht manchen Kunsthistoriker, ist jedoch von der Gegenwartskunst weit entfernt.

Die oben beschriebene Weiterführung der Abstraktion widerspricht diesem Bild von Malerei deutlich, da wir sehen, wie das Medium auf andere Medien und Kunstrichtungen reagieren und sie fortsetzen kann. Es war die moderne Abstraktion, die ein reduziertes und klares Vokabular entwickelt hat, das Ausgangspunkt für neue Untersuchungen sein kann, Untersuchungen, in denen außermalerische Aspekte hinzugefügt werden. Die Malerei baut auf Überlegungen der Konzeptkunst, der Pop-Art, des Minimalismus, der Installation etc. auf. Das heißt aber nicht, dass traditionell innermalerische Probleme unberührt bleiben. Die formalen Aspekte sind von den Inhalten nicht zu trennen. Minimale Veränderungen in der Grammatik der Moderne können drastische Folgen auf beiden Ebenen haben. Eine Unschärfe an den Rändern einer geometrischen Figur oder ein kleines gestisches Moment, das eine ansonst klare Flächenaufteilung durchbricht, fügen dem Bild völlig neue inhaltliche Momente hinzu. Die Vermischung oder Überlagerung verschiedener reduktiver Aspekte der Ungegenständlichkeit erzeugt Bedeutungen, die innerhalb des alten Kontextes gar nicht entschlüsselbar sind. Diese Additionen sind nur innerhalb der Geschichte der letzten 60 Jahre verständlich und die Referenzen gehen weit über die Malerei hinaus. Vorher war die Abstraktion ein zielgerichtetes Projekt, das die hegemoniale Stellung des gemalten Bildes innerhalb der Kunst endgültig festigen sollte. Durch diese Logik hat sich die Malerei aber auch isoliert und konnte nur mehr internen Regularitäten folgen. Additive Abstraktion bedeutet immer eine Öffnung des geschlossenen Raumes. Das formale Inventar bleibt zwar stark beschränkt, aber schon die geringsten Veränderungen an dem festgefügten Kanon erzeugen eine mächtige Sprache. Die Kargheit dieser Sprache ist nur eine vorgebliche. Ihre Symbole sind nicht nur das, was auf dem Bild sichtbar ist, die Referenzen liegen tatsächlich außerhalb, in diesem Sinne besitzt sie keine autonome Grammatik.

Martin Prinzhorn


Works by
Will Fowler
Herbert Hinteregger
Chris Johanson
Manuel Knapp

Martin Prinzhorn, geboren 1957, lebt als Autor, Sprachwissenschaftler und Kurator in Wien.

 

 Exhibition View, Georg Kargl Fine Arts, Additive Abstraktion, curated by_Will Fowler, 2013, Photo: Georg Kargl Fine Arts

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