Gregor Podnar
curated by Katarzyna Różniak-Szabelska
Katarzyna Różniak-Szabelska – Kunsthistorikerin und Kuratorin in der Abteilung für Moderne Kunst des Muzeum Sztuki in Łódź. Mitglied des kuratorischen Teams der Dauerausstellung „Ways of Seeing. Collection of Muzeum Sztuki in Łódź“, die 2025 eröffnet wurde. Sie absolvierte ein Studium in Kunstgeschichte an der Universität Warschau.
Von 2020 bis 2025 war sie an der Arsenal Gallery in Białystok tätig, wo sie die Gruppenausstellungen „Cocaigne“, „Fiddlesticks“, „Right after Valentine’s Day“ (gemeinsam mit Tomek Pawłowski-Jarmołajew), „Deschool!“, „In the beginning was the Deed!!*“ (gemeinsam mit Post Brothers) sowie Einzelausstellungen von Künstlerinnen und Künstlern wie Augustas Serapinas (gemeinsam mit Post Brothers), Anna Hulačová, Yarema Malashchuk und Roman Khimei, Gideon Horváth, Patryk Różycki, Marta Romankiv, Alicja Rogalska, Lukáš Jasanský und Martin Polák kuratierte. Darüber hinaus realisierte sie Interventionen im öffentlichen Raum sowie zahlreiche gemeinschaftsorientierte Projekte mit dem Publikum.
Ihr Schwerpunkt liegt vor allem auf den sozialen Dimensionen der zeitgenössischen und modernen Kunst in Mittel- und Osteuropa.
Wojciech Bruszewski (1947, Wrocław – 2009, Łódź) war ein Multimedia-Künstler und gilt als Schöpfer der ersten Videoarbeiten in Polen. 1970 schloss er sein Studium an der Abteilung für Kinematografie der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Leon Schiller in Łódź und 1975 an deren Regieabteilung ab. Er war Mitglied der Gruppe Zero-61 (1965–1968) sowie Mitbegründer der Workshop of the Film Form (WFF, 1970–1977). Bruszewskis Arbeit entwickelte das analytische Programm der WFF weiter und konzentrierte sich darauf, die Mechanismen offenzulegen, durch die Film Realität konstruiert, etwa den durch die Synchronisierung von Bild und Ton erzeugten falschen Naturalismus. Seine Praxis aus dieser Zeit verband eine präzise Analyse des Mediums mit Humor und einem dem Fluxus nahestehenden Geist und kann als Versuch verstanden werden, die Mechanismen medialer Manipulation sichtbar zu machen.
Paweł Kwiek (1951, Warschau – 2022, Warschau) arbeitete mit Film, Fotografie, Performance und gesellschaftlich engagierten Projekten. 1973 schloss er sein Studium an der Abteilung für Kinematografie der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Leon Schiller in Łódź ab, wo er Mitbegründer und Mitglied der Workshop of the Film Form (1970–1977) war. Gleichzeitig arbeitete er mit dem Künstlerduo KwieKulik (Zofia Kulik und seinem Bruder Przemysław Kwiek) sowie mit dem weiteren Kreis von Künstlern zusammen, die mit dem Studio von Oskar Hansen an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau verbunden waren. In dieser Zeit verstand er Kunst als eine Form sozialer Intervention und untersuchte das Potenzial von Film und Kamera, Beziehungen zwischen Menschen zu verändern. Seine Arbeit verband eine kritische Auseinandersetzung mit dem Medium mit einem Interesse an den sozialen und politischen Dimensionen von Kommunikation.
Yarema Malashchuk (geb. 1993, Kolomyia) und Roman Khimei (geb. 1992, Kolomyia) arbeiten seit 2016 als Filmemacher- und Künstlerduo zusammen. Beide studierten Kinematografie am Institute of Screen Arts in Kyjiw, Ukraine, und leben und arbeiten in Kyjiw. Seit 2022, nach der großangelegten russischen Invasion der Ukraine, sind sie zudem Mitglieder des ukrainischen Künstlerkollektivs Prykarpattian Theater. Ihre künstlerische Praxis untersucht das Verhältnis zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Geschichte und setzt sich damit auseinander, wie Individuen mit sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Realitäten umgehen, insbesondere mit den Erfahrungen des Krieges. Zugleich reflektieren sie das Medium Film und seine Rolle bei der Darstellung der Geschichte der Ukraine sowie der zeitgenössischen Lebensrealität ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Małgorzata Potocka (geboren 1952 in Warschau) ist Künstlerin, Schauspielerin, Filmemacherin und Regisseurin. Sie schloss 1978 ihr Schauspielstudium an der Staatlichen Film-, Fernseh- und Theaterschule Leon Schiller in Łódź ab und 1981 ihr Regiestudium an derselben Hochschule. Während ihres Studiums stand sie in engem Kontakt mit den künstlerischen Kreisen rund um die Workshop of the Film Form (WFF), war jedoch nie Mitglied der Gruppe. Ihre Erfahrungen als Schauspielerin und Regisseurin ermöglichten ihr eine eigenständige Perspektive auf das Medium Film und ließen sie das Verhältnis zwischen der Produktion des filmischen Bildes und dem eigenen Hervorgebrachtwerden durch dieses Bild untersuchen. Obwohl sie das Interesse der WFF an analytischen Zugängen zum Medium Film teilte, erweiterte sie diese Auseinandersetzung durch introspektive Arbeiten, die sich mit Fragen der Selbstrepräsentation beschäftigen. Gemeinsam mit Józef Robakowski leitete sie die Exchange Gallery, einen Raum, der experimentellen und intermedialen künstlerischen Praktiken gewidmet war.
Józef Robakowski (geb. 1939, Poznań) ist Künstler und Kunsthistoriker und arbeitet mit Film, Fotografie, Video, Zeichnung, Installation, Objekten und konzeptuellen Projekten. Er studierte Kunstgeschichte an der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń und schloss sein Studium 1967 ab. 1970 absolvierte er ein Studium an der Abteilung für Kinematografie der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Leon Schiller in Łódź. Robakowski war Mitglied der Gruppe Zero-61 (1961–1969) und Mitbegründer sowie eine zentrale Figur der Workshop of the Film Form (1970–1977). In seinem Werk setzte er sich unter anderem mit den materiellen und technologischen Grundlagen des Films, dem Verhältnis zwischen Kamera und Künstler sowie den Mechanismen der Wahrnehmung auseinander. 1978 gründete er gemeinsam mit Małgorzata Potocka die Exchange Gallery, einen unabhängigen Raum für den Austausch und die Dokumentation experimenteller künstlerischer Praktiken.
Workshop of the Film Form (WFF) war ein von 1970 bis 1977 aktives Künstlerkollektiv, das von Studierenden und Absolventen der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Leon Schiller in Łódź gegründet wurde. Die Gruppe entwickelte sich aus einer kritischen Auseinandersetzung mit der Filmausbildung und dem offiziellen Filmschaffen und griff dabei auf neue Ansätze der audiovisuellen Kommunikation sowie auf das Erbe der Avantgarde der Zwischenkriegszeit zurück. Im Zentrum ihrer Arbeit stand vor allem die Analyse der Medien Film und Fernsehen. Die Gruppe wurde von Wojciech Bruszewski, Paweł Kwiek, Józef Robakowski, Andrzej Różycki und Zbigniew Rybczyński initiiert. Ryszard Waśko wurde bald zu einer zentralen Figur der Gruppe, während in den folgenden Jahren unter anderem Janusz Połom, Antoni Mikołajczyk, Kazimierz Bendkowski und Jacek Łomnicki mit der Workshop verbunden waren.
Ausstellungstext
Additional Scenes versammelt Arbeiten von Wojciech Bruszewski, Paweł Kwiek, Yarema Malashchuk & Roman Khimei, Małgorzata Potocka, Józef Robakowski und der Workshop of the Film Form. Die in Kooperation mit dem Muzeum Sztuki in Łódź und mit Unterstützung des Polnischen Instituts Wien präsentierte Ausstellung verbindet die experimentellen Filmpraktiken der polnischen 1970er- und 1980er-Jahre mit zeitgenössischen Ansätzen zum bewegten Bild.
Das Projekt sucht nach Spuren der Liebe innerhalb einer der analytischsten Strömungen der polnischen Neo-Avantgarde. Im Mittelpunkt stehen Versuche, den Film von seinen filmischen Konventionen zu lösen und ihn als offene Form der Kommunikation neu zu denken. Dabei werden Beziehungen zwischen Künstler:innen als Räume der Zusammenarbeit und Fürsorge betrachtet, zugleich wird gefragt, wie diese Beziehungen bisweilen die Sichtbarkeit innerhalb der Kunstgeschichte verzerrt haben. Durch die Arbeiten von Yarema Malashchuk und Roman Khimei werden diese Fragen in die Gegenwart überführt. Ihre künstlerische Praxis untersucht die Konstruktion filmischer Bilder vor dem Hintergrund der russischen Vollinvasion der Ukraine. Auch hier eröffnet die Offenlegung der Künstlichkeit filmischer Repräsentation die Möglichkeit einer authentischen Verbindung zwischen Filmemacher:innen, Schauspieler:innen und Betrachter:innen.
Additional Scenes brings together works by Wojciech Bruszewski, Paweł Kwiek, Yarema Malashchuk & Roman Khimei, Małgorzata Potocka, Józef Robakowski and the Workshop of the Film Form. Presented in partnership with Muzeum Sztuki in Łódź and with the support of the Polish Institute Vienna, the exhibition connects the experimental film practices of the Polish 1970s and 1980s with contemporary approaches to the moving image.
The project searches for traces of love within one of the most analytical currents of the Polish neo-avant-garde, focusing on attempts to strip film of cinematic conventions and reimagine it as an open form of communication. It considers relationships between artists as spaces of collaboration and care, while asking how these relationships have, at times, distorted their visibility within art history. These questions are brought into the present through the work of Yarema Malashchuk and Roman Khimei, whose practice examines the construction of cinematic images against the backdrop of Russia’s full-scale invasion of Ukraine. Here, once again, exposing the artifice of film representation opens up the possibility of an authentic connection between filmmakers, actors and viewers.
Events
Bilder
Yarema Malashchuk and Roman Khimei, Additional Scenes, 2024
single-channel video, 16 min 46 s; video still
Yarema Malashchuk and Roman Khimei, Additional Scenes, 2024
single-channel video, 16 min 46 s; video still