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The gallery festival with international curators in Vienna.
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GIANNI MANHATTAN
curated by Odessa Warren

Ausstellung
Silent Choir

Kurator*innen
Odessa Warren
Odessa Warren
CV

Odessa Warren ist eine libanesisch-britische Kuratorin aus Zypern. Sie arbeitet derzeit Kuratorin bei Ibraaz in London, wo sie an Ausstellungen und öffentlichen Programmen arbeitet. Zuvor war sie Assistant Curator of International Art an der Tate Modern. Außerdem war sie in kuratorischer und wissenschaftlicher Funktion für das Beirut Art Center, The Palestinian Museum und Forensic Architecture tätig. Zu ihren unabhängigen Projekten zählen War-Torn Ecologies: Resistant Worlds mit dem Beirut Art Center und The Mosaic Rooms sowie Otra Orilla (Another Shore) für Abu Dhabi Art.


Künstler*innen
Valentin Noujaïm
Valentin Noujaïm
CV

Valentin Noujaïm ist ein französisch-libanesischer Künstler und Filmemacher, der zwischen Paris und Athen lebt und arbeitet. Er ist Absolvent der Filmschule La Fémis in Paris und war Gaststudent an der Städelschule in Frankfurt; seine künstlerische Praxis umfasst Film, Video und bildende Kunst. Hingezogen zu Orten, an denen sich Macht in den Raum einschreibt, begreift er zeitgenössische Architektur als ein Terrain, das von Erzählungen, Spannungen und latenten Imaginarien aufgeladen ist. In seinen Arbeiten untersucht er, wie Individuen und Territorien mit Formen des Zusammenbruchs umgehen, wobei er sich zwischen Dokumentarfilm und Fiktion bewegt, um vielschichtige, essayistische Werke zu schaffen, die persönliche Geschichten, politische Landschaften und das stille Gewicht gebauter Umgebungen miteinander verbinden.

Noujaïm ist Autor der Trilogie La Défense, drei Arbeiten, die im und um das gleichnamige Geschäftsviertel am Stadtrand von Paris angesiedelt sind, eine der größten und konzentriertesten Ausdrucksformen spätkapitalistischen Urbanismus in Europa. Der erste Film, Pacific Club (2023), feierte seine Premiere bei CPH:DOX (DK), wo er eine lobende Erwähnung erhielt und auf der Shortlist für die César Awards stand. To Exist Under Permanent Suspicion (2024) hatte seine Weltpremiere beim International Film Festival Rotterdam (NL), bevor er im Centre Pompidou (FR) gezeigt wurde. Demons to Diamonds (2025), der dritte und letzte Film der Trilogie, feierte seine Premiere in der Kunsthalle Basel (CH) und im MoMA (US). Die Trilogie setzt sich in der Monografie Interzone fort.

Seine Arbeiten wurden unter anderem im MoMA (US), im ICA London (UK), im Centre Pompidou (FR), in der Fondation Cartier (FR), bei Lafayette Anticipations (FR), in der National Gallery of Art (US), beim Tono Festival (MX), im Museo Madre (IT) sowie im Rahmen des Circa Prize in London (UK) gezeigt. Er nahm an der Istanbul Biennale (TR, 2025) und der Thessaloniki Biennale (GR, 2026) teil. 2025 präsentierte er seine erste institutionelle Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel (CH).



Adresse
Wassergasse 14
1030 Wien

Barrierefreiheit
nicht barrierefrei

Photo: Aya Sophie Saleh

Ausstellungstext

Gianni Manhattan präsentiert Silent Choir, Valentin Noujaïms erste Einzelaustellung in der Galerie.

Mit Skulptur und Installation stellt der Künstler den ersten Teil einer neuen Werkgruppe vor, die von der Geschichte des Heiligen Johannes und der Höhle der Apokalypse ausgeht.

Im ersten Jahrhundert wurde der Apostel Johannes von Kaiser Domitian auf die Insel Patmos verbannt, weil er das Christentum predigte. Dort zog er sich in die Stille und Dunkelheit einer Höhle über dem Meer zurück, wo ihm eine Vision vom Ende der Welt zuteilwurde. Sieben Engel erschienen ihm, ein jeder blies in eine Trompete und kündigte die bevorstehende Katastrophe an. Der Bericht dieser prophetischen Erfahrung wurde als Offenbarung des Johannes Teil der Bibel.

Der Galerieraum ist verdunkelt, beleuchtet ist allein sein Eingang. Die stille, feierliche Atmosphäre lässt an die Höhle des Heiligen Johannes und seine Abgeschiedenheit darin denken. Sieben Trompeten füllen den Raum und rufen die sieben Engel der Apokalypse auf. Jede ist mit einem Dämpfer versehen und bildet so Noujaïms stillen Chor. Weißes Rauschen liegt im Raum, wie der tote Ton einer mitten in der Übertragung abgebrochenen Sendung, und unterstreicht die Stummheit der Trompeten. Ihre Oberflächen sind mit unterschiedlichen Motiven graviert, darunter Zeichnungen, die der Bruder des Künstlers als Kind während des Krieges im Libanon anfertigte. Ein Fernsehgerät erinnert an die Wohnzimmergeräte der frühen 2000er Jahre und verweist auf die eigene Verknüpfung des Künstlers von Licht und Klang, geprägt durch frühe Erinnerungen an die Ankündigung von Katastrophen.

Für Noujaïm bedeutete der Rückzug des Heiligen Johannes aus der Welt einen Weg, sich deren Übel begreiflich zu machen. In der Dunkelheit, in seiner Einsamkeit, offenbarte sich ihm alles. Der Künstler stellt diese Geschichte einer Gegenwart gegenüber, die von permanentem Lärm und Hypersichtbarkeit bestimmt ist, im dritten Jahr eines live übertragenen Genozids, der ungestraft bleibt. Im Griechischen trägt ἀποκάλυψις (apokálypsis) eine doppelte Bedeutung: Apokalypse und Offenbarung. In einer Welt, in der Ton und Bild versagt haben, fragt der Künstler, was sich uns in der dunklen Stille offenbaren kann.

Die Ausstellung führt Noujaïms Interesse an Mythos und Erzählung als Mittel fort, die Gegenwart zu denken, und wendet sich hier der christlich-apokalyptischen Vorstellungswelt zu. Den Heiligen Johannes begreift er nicht als religiöse Ikone, sondern als eine Figur, die sich in einer Zeit der Verfolgung und Niederlage aus der Welt zurückzog und der eine Vision von deren Zerstörung und Erneuerung zuteilwurde. Die Arbeit setzt zugleich die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Bösen fort, als einem Begriff, nach dem gegriffen wird, um Zerstörung und Gewalt zu erklären, die andernfalls unerklärlich bleiben. In der Offenbarung des Johannes kündigt jede Trompete, nacheinander geblasen, einen anderen Teil der Apokalypse an. Die Stummheit der sieben Trompeten in Noujaïms Silent Choir bleibt unbestimmt: ob sie bereits erklungen sind, oder ob ihr Schweigen eine weitere Katastrophe in Schach hält.

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Events

Bilder

Valentin Noujaïm, La Défense Volume III – Demons to Diamonds, 2025, installation view, in: Valentin Noujaïm, PANTHEON, Kunsthalle Basel, 2025

photo: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel

Valentin Noujaïm in The Sunsets were Purple and Red and Yellow and on Fire (2026), installation view, Kunsthalle Mechelen, Mechelen.

photo: Lavinia Wouters / Kunsthalle Mechelen.

Valentin Noujaïm, La Défense Volume II – To Exist Under Permanent Suspicion, 2023,  installation view, in: Valentin Noujaïm, PANTHEON, Kunsthalle Basel, 2025,  

photo: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel