curated
by
Menü
EN
The gallery festival with international curators in Vienna.
Zurück

Galerie Kandlhofer
curated by Anna Roberta Goetz & Jade Guanaro Kuriki-Olivo

Ausstellung
Clothes (Kleidung)

Kurator*innen
Anna Roberta Goetz & Jade Guanaro Kuriki-Olivo
Anna Roberta Goetz & Jade Guanaro Kuriki-Olivo
CV

Die Kuratorin Anna Roberta Goetz initiiert und leitet Kulturprojekte international. Ihr Interessenschwerpunkt gilt künstlerischen Strategien, die dominante Hierarchien, Narrative und Strukturen in der Gesellschaft infrage stellen. Zuletzt war sie als Ko-Kuratorin der 36. Bienal de São Paulo (2025) tätig, davor als Kuratorin am Marta Herford Museum (2022/23) und am MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main (2013–2017) sowie als Projektleiterin beim Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) für den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig (2013) verantwortlich. Von 2017 bis 2022 arbeitete sie als freischaffende Kuratorin zwischen Mexiko und Europa, kooperierte mit verschiedenen Organisationen und Museen, schrieb für internationale Publikationen (auch als Herausgeberin) und Kunstmagazine und lehrte an verschiedenen internationalen Kunstakademien.


Künstler*innen
Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo)
Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo)
CV

Jade Guanaro Kuriki-Olivio, weithin bekannt unter dem Alias Puppies Puppies, erweitert das Konzept des Readymades, indem sie allgegenwärtige und alltägliche Objekte, Zeichen und Handlungen mit einer persönlichen und politischen Bedeutung auflädt. So stellt sie ableistische Rahmenbedingungen künstlerischer und kapitalistischer Produktion infrage, indem sie in Installationen und Performances Desinfektionsgelspender, Toilettenreiniger, die Farbe Grün sowie die Handlungen des Schlafens, Urinierens und Tabletteneinnehmens rekonfiguriert. Viele Ausstellungen von Puppies Puppies umfassen zudem aktiv nutzbare Bestandteile: eine GoFundMe-Kampagne zur Unterstützung des Transitionsfonds einer befreundeten Person, kostenlose HIV-Tests und Beratungsangebote sowie eine funktionierende Dusche, die der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Kuriki-Olivio macht damit deutlich, dass das Leben selbst als eine Form der Praxis der Ausdauer verstanden werden kann, insbesondere für jene, deren bloßes Überleben auf dem Spiel steht, darunter trans*, nichtbinäre und geschlechtsnonkonforme People of Color.

 

 —  Vivian Crockett, Kuratorin am New Museum



Adresse
Brucknerstrasse 4
1040 Wien

Barrierefreiheit
nicht barrierefrei

Portrait Anna Goetz: © João Medeiros, Fundação Bienal de São Paulo | Portrait Jade Guanaco Kuriki-Olivio: Courtesy of the artist

Ausstellungstext

“Love is expressed through care, responsibility, respect, knowledge, and trust. It is something we do: a commitment to the wellbeing of ourselves and others.”[1]

Jade Guanaro Kuriki-Olivo, bekannt als Puppies Puppies, nähert sich dem diesjährigen curated by-Thema LOVE über bell hooks’ Verständnis von Liebe als Praxis und nicht als Emotion. Dieses Verständnis von Liebe prägt seit vielen Jahren den gesamtkunstwerkartigen Ansatz der Installations- und Performancekünstlerin. Wiederholt integriert sie konkrete und partizipative Elemente in ihre Ausstellungen und nutzt die ihr als Künstlerin zur Verfügung stehende Plattform, um Formen der Fürsorge und praktischen Unterstützung für Menschen anzubieten, deren Wohlergehen durch öffentliche Infrastrukturen nicht ausreichend gewährleistet wird – darunter trans, nichtbinäre und gender-nonkonforme People of Color. So installierte sie in vergangenen Ausstellungen etwa eine öffentlich zugängliche Dusche oder einen Raum für HIV-Tests und Beratung als Teil ihrer künstlerischen Arbeit zur Verfuegung. Auf diese Weise versteht ihre Praxis die Sorge füreinander und insbesondere für die eigene Community sowohl als Verantwortung als auch als Quelle kollektiver Widerstaendigkeit.
Im Werk von Puppies Puppies werden alltägliche und vorgefundene Objekte häufig mit persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Bedeutung aufgeladen. In ihren Skulpturen, Installationen und Performances bringt sie Fragen nach Identität, Macht, Körperlichkeit und gelebter Erfahrung in den Ausstellungsraum und setzt sich damit auseinander, wie sich in persönlichen Erfahrungen kollektive Erfahrungenund Themen widerspiegeln können.

Clothes (Kleidung) nimmt Kleidung zum Ausgangspunkt. Sie ist zugleich intim und öffentlich: Sie berührt und schützt den Körper, verhüllt und stellt ihn zugleich aus, prägt seine Erscheinung und vermittelt, wie eine Person gesehen werden möchte. Kleidung trägt Spuren von Körpern und gelebtem Leben und wird so zum Speicher von Erinnerung, Identität, Verletzlichkeit, Begehren und Fürsorge.
Für Clothes (Kleidung) präsentiert Puppies Puppies ausschließlich neu in Auftrag gegebene Arbeiten. Clothing Drive (for Trans, Queer, GNC and 2S+ people) (2026) beispielsweise nimmt die Form einer sozialen Skulptur an, die gespendete Kleidung ansammelt und sie zugleich Mitgliedern der trans Community kostenlos zur Verfügung stellt. So löst sich die Skulptur fortwährend auf und formiert sich gleichsam immer wieder neu. Venus of the Rags (Transitioned) (2026) wiederum eignet sich eine Ikone der Kunstgeschichte an und unterzieht sie einer Transition: Michelangelo Pistolettos Venus of the Rags (1967). Hier nimmt Venus, ein ikonisches Motiv des westlichen Kunstkanons, die Gestalt des Körpers der Künstlerin selbst an, während Kleidungsstücke, die sie nicht mehr trägt, zu den Lumpen werden. Indem die Arbeit zwei Körper und verschiedene Momente in der Zeit zusammenführt, versteht sie Transformation nicht als Zurückweisung der Vergangenheit, sondern als eine Möglichkeit, diese mit sich weiterzutragen.

Gemeinsam verstehen die Arbeiten Kleidung als mehr als bloße Objekte. Sie berührt und schützt den Körper, trägt Spuren vergangener Selbstbilder, kommuniziert Identität und bewegt sich zwischen Menschen. Sie bewahrt Erinnerung und ermöglicht zugleich Veränderung.
Dieses Verständnis von Kleidung knüpft unmittelbar an bell hooks’ Vorstellung von Liebe als aktiver Praxis an. Fürsorge bedeutet zu handeln; die Bedürfnisse eines anderen Menschen anzuerkennen bedeutet, Verantwortung für dessen Wohlergehen zu übernehmen. In Clothes (Kleidung) wird Liebe damit materiell: Sie findet sich in dem, was erinnert, zurückgewonnen, geteilt, weitergegeben und anderen zur Verfügung gestellt wird.

 

 

[1] bell hooks, All About Love: New Visions (2000).

Mehr

Events

Bilder

Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivio), HOUSE THE DOLLS PAY THE DOLLS GIVE THE DOLLS OPPORTUNITIES SUPPORT THE DOLLS SURGERIES, ehibition view, Basement Art Assembly Biennial, Basement Roma, Rome, Italy, 2025.

Photo: Daniele Molajoli

Courtey of the artist and Basement Roma

Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivio), A sculpture for Trans Women A sculpture for the Non-Binary Femmes A sculpture for Two-Spirit People, exhibition view, 60th Venice Biennale

Courtesy of the artist and La Biennale di Venezia

Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivio), Body Fluid (Blood), installation view, Remai Modern, Saskatoon, Canada, 2019

Photo Blaine Campell

Courtesy of the artist and Remai Modern