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The gallery festival with international curators in Vienna.
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E X I L E
curated by Francesca Gavin & Adam Nankervis

Ausstellung
Matelot, Matelot

Kurator*innen
Francesca Gavin & Adam Nankervis
Francesca Gavin & Adam Nankervis
CV

Francesca Gavin ist Chefredakteurin von EPOCH Review und Leiterin der Abteilung Bildende Kunst beim gemeinnützigen Verein Murmur. Gavin hat zwölf Bücher veröffentlicht und Ausstellungen im Somerset House, im Palais de Tokyo und in der Fundação de Serralves kuratiert sowie die Manifesta11 co-kuratiert. Sie moderiert die langjährige Radiosendung „Rough Version“ über Kunst und Musik auf NTS Radio.

Adam Nankervis ist ein australischer Künstler und Kurator, der in Berlin lebt und arbeitet. Er ist bekannt für seine sozialkritischen und experimentellen Projekte, das Museum MAN und einen weiteren Ausstellungsraum. Als langjähriger Mitarbeiter und Partner von David Medalla war er Mitbegründer des Mondrian Fan Clubs und hat die London Biennale mitgestaltet.

 


Künstler*innen
David Medalla
David Medalla



Adresse
Elisabethstraße 24
1010 Wien

Barrierefreiheit
Teilweise barrierefrei

Portrait Francesca Gavin. Photo: Sirui Ma Portrait Adam Nankervis. Photo: private

Matelot, matelot: Das unsichtbare Werk von David Medalla

„Matelot" ist ein Lied von Noël Coward, veröffentlicht zehn Tage nach Kriegsende 1945. Es ist eine bittersüße Ode an einen Matrosen: Der Sänger betrauert dessen Abreise und ruft ihn übers Meer zurück. Aus heutiger Sicht ist die queere Sehnsucht in Zeilen wie „die weite Welt bereist / Lippen, die er küsste, konnten nicht widerstehen / diesem liebenden, umherziehenden Wanderer" kaum zu überhören.

David Medalla wurde drei Jahre vor Veröffentlichung des Liedes auf den Philippinen geboren. Als Wunderkind gefeiert, hielt er bereits mit zwölf Jahren Vorlesungen an der Universität. Als Teenager experimentierte er mit Multimedia-Malerei und partizipativer Land Art. Tief beeinflusst hat ihn der offen schwule Arthur Rimbaud – Medalla bemerkte später: „Wir alle sind seine Kinder. Sein Leben wurde zu einer Allegorie der Freiheit.” 1954 wurde Medalla zu einem Sommercamp für begabte Jugendliche im Norden des Bundesstaats New York eingeladen. Er floh jedoch ins Greenwich Village in Manhattan, wo er die dortige Szene kennenlernte – von James Dean bis Jackson Pollock. Hier entwickelte sich die malerische Praxis, die sein späteres Werk prägte.
In den folgenden Jahrzehnten zog er durch Europa und etablierte sich als Künstler, der sich der Beschränkung auf ein einzelnes Medium widersetzte: Er arbeitete mit Malerei, Collage, Aktion, Skulptur, Text, Publikationen und Textilien. Medalla setzte sich intensiv mit den konzeptuellen und materiellen Möglichkeiten der Kunst auseinander. Bemerkenswert: Er war Teil zweier ikonischer Ausstellungen des Kurators Harald Szeemann – „When Attitudes Become Form" und documenta 5 –, die einen Großteil des Kanons der konzeptuellen Kunst des späten 20. Jahrhunderts begründeten.

Bekannt wurde er vor allem für seine kinetischen Arbeiten, etwa die Schaummaschinen wie „Cloud Canyons": Schaum wuchs in Säulen nach oben und quoll in Richtung der Betrachter über. Als Inspiration nannte der Künstler später den Reisnachtisch seiner Mutter aus seiner Kindheit auf den Philippinen – sowie die Erinnerung an einen sterbenden Soldaten, dem im Zweiten Weltkrieg Schaum vor dem Mund stand. „Mud Machine" (1964–67) verband dagegen Wissenschaft und Skulptur: Automatisierte Schwämme tauchten in ein Becken aus Öl und Schlamm und verschmierten diesen langsam auf einer Glasplatte – auf fast kosmische, spirituelle Weise ging Medalla damit über die Grenzen des Modernismus hinaus.

Parallel dazu war er Mitbegründer der Galerie Signals und der Zeitschrift „Signals Newsbulletin" in London (1964–66). Die Galerie konzentrierte sich auf Avantgarde-Künstler jener Zeit, viele aus Asien und Lateinamerika – darunter Lygia Clark, Gustav Metzger, Soto, Mira Schendel, Hélio Oiticica und Takis, dessen Werk der Galerie ihren Namen gab. Wie Medalla waren auch sie von unkonventionellen Materialien, Wissenschaft, Poesie, Technologie und neuen Paradigmen angetrieben.
Vergänglichkeit und Zufall sind fest in Medallas Werk verankert. Auf der documenta 5 zeigte er das wegweisende partizipative Werk „A Stitch in Time" – eine Einladung an die Betrachter, nach Belieben mit Nadel und Faden zu sticken. In den 1970er-Jahren wandte er sich politischer und gegenkultureller Performance-Kunst zu: Er initiierte Aktionen mit der psychedelischen Kommune Exploding Gallery und war später in der Artists' Liberation Front und bei Artists for Democracy aktiv. Seine Arbeiten zur Befreiung tibetischer und afrikanischer Bewegungen leisteten Widerstand gegen internationale Diktaturen und waren tief in einen aktionsgetriebenen Künstleraktivismus eingebettet, der bis heute nachhallt.

Trotz dieses politischen Engagements war an Medallas Schaffen nichts Lehrhaftes. Er war ein charmanter Zeitgenosse, ein echter Kosmopolit, der noch in späteren Jahren – während seiner Zeit in Berlin – von Poesie und den unendlichen Möglichkeiten der Kreativität beflügelt wurde. Immer wieder kreuzten sich seine Wege mit prägenden Persönlichkeiten wie Marcel Duchamp, William Burroughs, Jean Genet, Man Ray, Yve-Alain Bois, Raymond Duncan oder Louis Aragon – aus vielen dieser Begegnungen wurden Freundschaften.

Über viele Jahre hinweg war Queerness in Medallas Werk erkennbar, aber unausgesprochen. Seine Liebhaber wurden oft zu künstlerischen Mitarbeitern. Überquellende phallische Formen sind ein wiederkehrendes Motiv – seine Seifenblasen waren aufgerichtet, überquellend, explodierend. Das Werk „Body Motion Pendulum" etwa nutzte ein Ei, ein Gummiband und einen Saugnapf, um eine kinetische, penisartige Skulptur zu schaffen, die durch Körperbewegung angetrieben wurde. Seine persönlichen Skizzenbücher waren voll mit figurativen Zeichnungen und Fotografien nackter Männer. Begehren war für sein künstlerisches Schaffen ein ebenso klarer Antrieb wie Politik, Partizipation und das Poetische.

Die hier ausgestellten Druckstöcke, die kürzlich von Adam Nankervis – dem Partner und Mitarbeiter des verstorbenen Künstlers – im Archiv entdeckt wurden, kamen nie zum Einsatz. Sie entstanden früh in Medallas Karriere, höchstwahrscheinlich in den späten 1950er-Jahren, und zeigen nachdenkliche männliche Figuren, die den Betrachter sehnsüchtig ansehen oder poetisch nach unten blicken. Manchmal halten diese jungen Männer Zweige wie sanfte Masken oder präsentieren ihre muskulösen Körper, teils in Begleitung von Tieren. Dass diese druckgrafischen Objekte ihren eigentlichen Zweck – Drucke herzustellen – bis heute nicht erfüllt haben, ist eine passende Metapher für verborgene Sexualität.

Dies ist das einzige Mal, dass diese Werke in dieser weitgehend ungenutzten Form zu sehen sein werden, bevor sie schließlich aktiviert werden, um Drucke herzustellen. Die Ausstellung soll Medallas Sinn für vergängliche Performance widerspiegeln – einen Moment der Zeit, der sich nicht wiederholen lässt. Die ungelesenen Negative dieser Bilder werden bald in etwas Festes verwandelt. Diese Werke stellen eine illusorische, traumhafte Liebe zu einem männlichen sexuellen Ideal dar. Kompositorisch gespiegelt, sind sie Abbilder eines inneren Begehrens. Wie in Noël Cowards Lied sind sie erotische Fantasien – verträumt, intim und liebevoll.

Text: Francesca Gavin

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Events

Bilder

David Medalla
Untitled, 1959
Zinc printing plate based on drawing mounted to wood
18 x 13.5 x 2 cm

Courtesy Mountains, Berlin

David Medalla
Untitled, 1959
Zinc printing plate based on drawing mounted to wood
18 ,5 x 13 x 2 cm

Courtesy Mountains, Berlin